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Foto: aelitta/iStock

Politik und Praxis

Zusammen für Demokratie

Die gesellschaftliche Polarisierung macht auch vor der Kinder- und Jugendhilfe nicht halt. Strukturen, Fachkräfte und Ehrenamtliche geraten zunehmend unter Druck – auch im Kinderschutzbund. Demokratiefeindliche Akteure versuchen, Einfluss zu nehmen, Begriffe umzudeuten und Vertrauen in etablierte Strukturen zu untergraben. Der Verband stellt sich dieser Entwicklung entgegen: um Kinder und Jugendliche zu stärken, aber auch seine Gliederungen.

Menschenfeindliche Narrative und Angriffe auf demokratische Werte nehmen zu. Das spüren auch die Mitarbeitenden in den Verbänden des Kinderschutzbundes. Demokratiefeindliche Akteure – vor allem aus dem Umfeld der Alternative für Deutschland – greifen zentrale Begriffe wie „Kinderschutz“ oder „Kindeswohl“ auf und deuten sie gezielt um. 

Gleichzeitig stellen sie Kinderrechte, Inklusion, Vielfalt und Beteiligung infrage oder diskreditieren sie. Diese Entwicklungen treffen auf eine Gesellschaft, in der Polarisierung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Verunsicherung zunehmen. Daraus entstehen konkrete Herausforderungen für den Kinderschutzbund. 

Herausforderungen vor Ort 

Um die Lage in den Verbänden vor Ort zu erfassen, hat der Bundesverband in den letzten Monaten mehrere digitale Austauschtreffen organisiert und auf den Kinderschutztagen am 8. Mai 2026 ein Fachforum angeboten. Die Rückmeldungen aus den Orts- und Landesverbänden zeichnen ein vielschichtiges Bild:

In politischen Gremien wie Kommunalparlamenten und Jugendhilfeausschüssen wird die Arbeit durch die Beteiligung demokratiefeindlicher Parteien problematischer. An einzelnen Orten werden bereits Fördermittel und Trägerschaften infrage gestellt oder gestrichen, fachliche Positionen delegitimiert.

Fachkräfte und Ehrenamtliche berichten von wachsender Verunsicherung – insbesondere im Umgang mit Eltern, aber auch mit Kindern und Jugendlichen, die demokratiefeindliche Positionen äußern. In Angeboten und bei Elternabenden häufen sich konflikthafte Auseinandersetzungen. Darüber hinaus erleben Fachkräfte und Ehrenamtliche auch Kinder und Jugendliche, die sich bedroht fühlen und spüren, unerwünscht zu sein. 

Hinzu kommen gezielte Angriffe und Diffamierungen in sozialen Medien, die Einrichtungen und Engagierte treffen. Diese Entwicklungen berühren nicht nur die tägliche Arbeit, sondern auch das Selbstverständnis des Kinderschutzbundes als werteorientierte Organisation. Um mit diesen Entwicklungen umgehen zu können, ist eine starke Haltungsresilienz im Kinderschutzbund notwendig. 

Auf der Mitgliederversammlung 2026 in Berlin fand im Fachforum „Kinderschutz und Demokratiefeindlichkeit“ nach Impulsen von Bundesgeschäftsführer Daniel Grein und Lotta Badenheuer, Referentin für das Projekt „Bildung für Demokratie und Vielfalt“ beim Paritätischen Gesamtverband, ein reger Austausch zu den Herausforderungen in den Verbänden vor Ort statt. Auf der Mitgliederversammlung 2026 in Berlin fand im Fachforum „Kinderschutz und Demokratiefeindlichkeit“ nach Impulsen von Bundesgeschäftsführer Daniel Grein und Lotta Badenheuer, Referentin für das Projekt „Bildung für Demokratie und Vielfalt“ beim Paritätischen Gesamtverband, ein reger Austausch zu den Herausforderungen in den Verbänden vor Ort statt. | Foto: Johanna Kern

Haltung zeigen

Der Kinderschutzbund Bundesverband hat mit dem Unvereinbarkeitsbeschluss von 2017 und weiteren Beschlüssen der Mitgliederversammlung klare Grundlagen geschaffen und deutlich gemacht: Wer rassistische, diskriminierende oder menschenfeindliche Organisationen unterstützt, kann im Verband nicht tätig sein. Diese Haltung gilt ausdrücklich auch für Personen in verantwortungsvollen Funktionen und wird durch verbindliche Erklärungen eingefordert. 

In der Resolution „Gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der Demokratie stärken“, die auf der Mitgliederversammlung 2024 beschlossen wurde, heißt es: „Anfeindungen, die Behauptung, Menschen mit Migrationsgeschichte hätten hier kein Zuhause, diskriminierende und stigmatisierende öffentliche Urteile über einzelne Menschen und Menschengruppen wirken sich auf das Sicherheitsgefühl, auf den Alltag von Kindern und Jugendlichen, auf deren Zugehörigkeit zu und Identifikation mit unserer Gesellschaft aus. Dem möchte der Kinderschutzbund aktiv entgegenwirken. Für einen fachlich fundierten und zivilgesellschaftlich verankerten Kinderschutz ist die Gewährleistung von Rechten aller Kinder und Jugendlichen zentral.“ 

Und in seinem Kinder- und Jugendpolitischen Grundsatzprogramm fordert der Kinderschutzbund, Kinder und Jugendliche müssen „ohne Angst verschieden sein können“.

Fachliches Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe braucht ein demokratisches Fundament, von dem der Verband nicht abweicht. Die Erfahrungen in den Verbänden zeigen jedoch: Es besteht weiterer Handlungsbedarf. Auch in den eigenen Reihen gibt es Mitarbeitende oder Ehrenamtliche, die problematische Positionen vertreten. Umso mehr brauchen Fachkräfte Unterstützung, um handlungssicher zu bleiben.

Strukturen schaffen, Demokratie stärken

Um demokratische Strukturen und die Kinder- und Jugendhilfe zu stärken, ist eine systematische Vernetzung und das Nutzen verfügbarer Expertise notwendig. Der Kinderschutzbund Bundesverband arbeitet daher im Bündnis „Zusammen für Demokratie“ mit und hat sich unter anderem mit dem Paritätischen Gesamtverband vernetzt. 

Gemeinsamer Maßstab ist, inklusiv zu arbeiten und für alle Kinder und Jugendlichen ohne Ausnahme einzutreten, anstatt exklusiv zu sein und Gruppen auszuschließen.

Der Bundesverband wird das Thema gezielt weiterentwickeln: Um die Resilienz des gesamten Verbandes zu stärken und die Handlungsfähigkeit im Umgang mit demokratiefeindlichen Bewegungen zu sichern, ist die Einrichtung einer Personalstelle geplant, die sich diesem Themenfeld widmet. Durch diese Unterstützung sollen Fachkräfte und Ehrenamtliche mehr Orientierung und Sicherheit bekommen – etwa im Umgang mit verunsicherten oder politisch radikalisierten Eltern, bei demokratiefeindlichen Äußerungen von Kindern und Jugendlichen oder bei Angriffen in sozialen Medien.

Ein gemeinsames Ziel

Der Kinderschutzbund Bundesverband verfolgt ein klares Ziel: Alle Gliederungen sollen so gestärkt werden, dass sie auch in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft sicher, handlungsfähig und werteorientiert arbeiten können.

Kinderschutz, Kinderrechte und Demokratie gehören untrennbar zusammen. Diese Verbindung zu schützen und zu stärken, bleibt eine gemeinsame Aufgabe – heute mehr denn je.

Weitere Informationen zum Bündnis:

zusammen-fuer-demokratie.de

Ausgabe 26-2

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Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

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