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Foto: Capuski/iStock

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Großeltern auf Zeit

Wenn Großeltern fehlen – sei es durch Entfernung, Zeitmangel oder persönliche Umstände – sind Wunsch- oder Leihgroßeltern sehr gefragt. Angebote des Kinderschutzbundes in Bochum, Mainz und Schorndorf-Waiblingen zeigen, wie Begegnungen gelingen und wie bereichernd ein Miteinander für alle Generationen sein kann. 

Nicht jede Familie hat Großeltern in der Nähe. Oft leben sie weit entfernt oder es gibt aus anderen Gründen keinen Kontakt. Doch wer sich für seine Kinder eine Verbindung zur Großelterngeneration wünscht, findet an einigen Orten Deutschlands Unterstützung: Der Kinderschutzbund vermittelt Wunsch- oder Leihgroßeltern.

Generationen zusammenbringen

Wunsch- oder Leihgroßeltern bringen Herz, Lebenserfahrung und Fürsorge mit. Sie suchen familiäre Nähe und teilen ihre Zeit, Gelassenheit und ihr Verständnis mit Familien. In Bochum gibt es den Großelterndienst des Kinderschutzbundes seit 1999. Er richtet sich vor allem an junge Familien und an Alleinerziehende. „Der Bedarf ist groß“, sagt Jennifer Schulte, Projektverantwortliche des Kinderschutzbundes Bochum. „Wir bekommen viele Anfragen von Familien, haben aber zu wenig Ehrenamtliche, die wir vermitteln können.“

Auch in Mainz steht das Verbindende im Fokus. Unter dem Motto „Generationen, gemeinsam für und miteinander“ sucht der Kinderschutzbund Omas und Opas, die Kinder aus verschiedenen Familien unterstützen. Von dem Projekt profitieren alle Beteiligten: Kinder erleben Zuwendung, Eltern werden entlastet, und Wunschgroßeltern finden eine sinnstiftende Aufgabe. „Das ist eine Win-win-win-Situation“, sagt Inge Pospiech-Gleißner, Koordinatorin für das Ehrenamt im Kinderschutzbund Mainz. Viele Großeltern berichten, dass sie selbst bereichert werden, weil Kinder so viel zurückgeben. Ziel der Projekte ist es, die Generationen einander näherzubringen – und von dieser Verbindung zu profitieren. 

Wer Wunschgroßeltern wird

Die Ehrenamtlichen sind meist Frauen im Ruhestand oder kurz davor. „Mit dem Renteneintritt suchen viele eine neue Aufgabe“, erklärt Jennifer Schulte. Regine Pfeil, Bereichsleiterin für Babysitter und Wunschgroßeltern in Schorndorf-Waiblingen, bestätigt: „Bei uns melden sich oft Frauen ab 68 Jahren. Viele haben einen pädagogischen Hintergrund, aber auch andere Berufe sind vertreten.“ In Bochum engagieren sich derzeit zehn Ehrenamtliche, in Schorndorf-Waiblingen 15 und in Mainz 21, darunter auch Ehepaare und wenige Männer. Viele Wunschgroßeltern haben keine eigenen Enkel, wohnen weit entfernt von ihrer Familie oder deren Enkel sind bereits erwachsen. 

Was Wunschgroßeltern mitbringen

Neben Zeit und Engagement sind Toleranz und Offenheit entscheidend. „Unsere Ehrenamtlichen müssen bereit sein, sich auf die Regeln und Gewohnheiten der Familien einzulassen“, betont Jennifer Schulte. In der Praxis klappt das oft gut, berichtet Regine Pfeil: „Die Interessierten sind meist offen und wissen, dass die Generationen unterschiedliche Werte haben.“ Geduld und die Fähigkeit, Beziehungen wachsen zu lassen, sind ebenfalls wichtig. 

Wunschgroßeltern sollten sich möglichst einmal pro Woche Zeit nehmen. „Wir empfehlen zwei Stunden wöchentlich. Wie viel Zeit dann aber tatsächlich gemeinsam verbracht wird, entscheiden Familien und Großeltern selbst“, erzählt Jennifer Schulte. Auch die Aktivitäten – ob Vorlesen, Spielen, Basteln oder Ausflüge – legen sie gemeinsam fest. 

Formale Voraussetzungen gibt es ebenfalls: Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das Ausfüllen eines Fragebogens und ein persönliches Kennenlerngespräch gehören dazu. Auch die Familien füllen einen Fragebogen aus. So wird abgeglichen, ob Vorstellungen und Rahmenbedingungen zusammenpassen – etwa die Anzahl und das Alter der Kinder, die zur Verfügung stehende Zeit, Haustiere im Haushalt oder besondere Bedürfnisse der Kinder. 

Bevor Großeltern vermittelt werden, findet ein persönliches Kennenlernen mit der jeweiligen Projektkoordinatorin statt. „In diesem Gespräch klären wir viele Fragen und Unsicherheiten. Was mache ich, wenn…? Oft werden praktische Beispiele erörtert“, berichtet Regine Pfeil. Das hilft den zukünftigen Wunschgroßeltern und ist für die Koordinatorinnen aufschlussreich. Wunschgroßeltern nehmen zudem an einer Kinderschutz-Schulung und einem Erste-Hilfe-Kurs teil.

Foto: ruizluquepaz/iStock

Wie die Vermittlung abläuft

Sind alle organisatorischen Dinge geklärt und alle erforderlichen Unterlagen vollständig, beginnt die Vermittlung. Anhand der Fragebögen wird eine passende Familie ausgewählt und ein erstes Treffen begleitet. „Die Nähe zum Wohnort ist ein wichtiges Kriterium“, erklärt Regine Pfeil. Auch ihr Bauchgefühl spielt eine Rolle.

Das erste Treffen findet in einer vertrauten Umgebung für die Kinder statt. Das kann zuhause sein oder auf einem Spielplatz, den die Familie oft besucht. „Die Kinder sollen sich sicher fühlen“, sagt Inge Pospiech-Gleißner. Meist tauschen sich Mutter und Wunschoma aus, lernen sich kennen und prüfen, ob die Chemie stimmt. „In der Regel klappt das. Und im Idealfall entstehen Beziehungen, die jahrelang halten“, berichtet sie. Jennifer Schulte kennt Fälle, in denen aus Leitgroßeltern feste Bezugspersonen wurden: „In einer unserer Familien kauft die Enkelin inzwischen für die Leihoma ein – und Weihnachten feiern sie zusammen.“

Foto: Unsplash/the-good-funeral-guide

Großer Bedarf, wenige Ehrenamtliche

Ob in Bochum, Mainz oder Schorndorf-Waiblingen: Sehr viele Familien melden sich – deutlich weniger Ehrenamtliche. Familien, die auf Wunschgroßeltern hoffen, brauchen Geduld. „Ich wünsche mir für jedes Kind eine tolle Oma oder einen tollen Opa“, sagt Regine Pfeil. Mehr Senior*innen im Pool würden die Chancen erhöhen, für jede Familie passende Wunschgroßeltern zu finden. Auch wer nur vorübergehend Zeit hat, ist willkommen. Denn auch bei Familien ändern sich die Pläne, und die Koordinatorinnen können über andere passende Ehrenämter informieren. 

Ein Ehrenamt, das verbindet

Die Idee hinter den Projekten in Bochum, Mainz und Schorndorf-Waiblingen ist dieselbe: Sie wollen Generationen zusammenbringen. Ob Vorlesen, Backen, Puzzeln, von der Kita abholen oder gemeinsame Ausflüge – Wunsch- oder Leihgroßeltern schenken Zeit und bringen Gelassenheit und Lebenserfahrung mit. Oft entstehen daraus enge Bindungen. Kinder gewinnen zusätzliche Bezugspersonen, Eltern erfahren Entlastung, und ältere Menschen werden bereichert. Ein Gewinn für alle.

Haben Sie Interesse, sich zu engagieren? Melden Sie sich!

Großelterndienst 
Kinderschutzbund Bochum
Jennifer Schulte

0234 3618292
grosselterndienst@kinderschutzbund-
bochum.de
kinderschutzbund-bochum.de


Wunschgroßeltern
Kinderschutzbund Mainz
Inge Pospiech-Gleißner

06131 614191
wunschoma-wunschopa@kinderschutzbund-mainz.de
kinderschutzbund-mainz.de


Wunschgroßeltern
Kinderschutzbund Schorndorf/Waiblingen
Regine Pfeil

07181 887717
buw@kinderschutzbund-schorndorf.de
kinderschutzbund-schorndorf-waiblingen.de

Ausgabe 26-2

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Enkel und Großeltern

Politik und Praxis

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