Suche

Login

Registrieren

Mehr aus der DKSB-Praxis

Schauspielerin Linnea Vogel sorgt mit ihrem Auftritt im Klassenzimmer für volle Aufmerksamkeit. | Foto: Joachim Türk

Politik und Praxis

Vernetzt für mehr Schutz im Netz

Der Kinderschutzbund kämpft seit Jahren gegen Cybergrooming. Dabei steht er vor der Herausforderung, Kinder, Eltern, Lehrkräfte, Betreuende und Beratende zu erreichen, zu interessieren und zu aktivieren. Netzwerke sind dabei entscheidend – und da gibt es Fortschritte.

Vor zwei Jahren hat sich der Kinderschutzbund Bundesverband mit dem Verein Internet-ABC e. V., getragen von den Medienanstalten der Länder, und der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) zusammengetan. Alle sind föderal strukturiert und regional stark verankert: Die Medienanstalten mit vielen Projekten, Internet-ABC e.V. in zahlreichen Grundschulen, ProPK in den Polizeipräsidien. Das erste gemeinsame Projekt: hochwertiges Unterrichtsmaterial gegen Cybergrooming erstellen, verbreiten und Kooperationen auf Länderebene initiieren. Das Material wird bereits in mehreren Bundesländern genutzt. Und auch durch weitere Projekte des Kinderschutzbundes findet Prävention vor Cybergrooming statt. Dazu kommen aus mehreren Landesverbänden Erfolgsmeldungen. Wir stellen einige Beispiele vor: 

Mecklenburg-Vorpommern: 

Ein Klassenzimmerstück, das die Lebenswelt der Kinder aufgreift, macht die Risiken des Cybergroomings und Täterstrategien deutlich. Den fachlichen Hintergrund steuerten nicht nur Expert*innen der Polizei bei, sondern auch der Kinderschutzbund. Das Stück „Ein Bild von mir“ feierte Ende 2024 Premiere und wird landesweit gespielt. Und es wirkt. Nach jeder Aufführung sprechen die Schauspielerin und eine Pädagogin mit den Kindern. Es ist tief bewegend, wie die Kinder emotional mitgehen, weil sie sich und ihre teilweise verstörenden Erfahrungen wiedererkennen. Viele Lehrkräfte erleben ihre Klasse in für sie fremden Welten.

Parallel dazu druckte der Kinderschutzbund das „Unterrichtsmaterial zur Prävention von Cybergrooming in der Grundschule“ in hoher Auflage und verteilte es flächendeckend – unterstützt vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung. Eine digitale Infoveranstaltung für Lehrkräfte in Kooperation mit dem Medienpädagogischen Zentrum ergänzt das Angebot. 

Baden-Württemberg:

Zur Didacta 2025 in Stuttgart stellte das Netzwerk sein Unterrichtsmaterial vor und verteilte es im Land. Gleichzeitig wurde das Bündnis aus Landesmedienanstalt (die hier Landesanstalt für Kommunikation heißt), ProPK und Kinderschutzbund zusätzlich aktiv. Eine gemeinsame Kampagne zum Weltkindertag 2025 bot digitale Angebote für Eltern. Natürlich waren die Orts- und Kreisverbände einbezogen. Das große Interesse führte zur Fortsetzung der Eltern-Webinare und zu einem ersten Angebot für Lehrkräfte.

Nordrhein-Westfalen: 

Der Verein Internet-ABC e.V. ist bei der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Hier begann die Verteilung des Unterrichtsmaterials – stark unterstützt vom Ministerium für Schule und Bildung. Jede der 2.800 Grundschulen im Land erhielt drei Exemplare. Der Landesverband des Kinderschutzbundes startete zur Verstärkung die Kampagne „Mach mich nicht an“, die Orts- und Kreisverbände einbindet. Sie erhielten in Zusammenarbeit mit Medienanstalt und Landeskriminalamt Schulungen zu Täterstrategien, Prävention und Betroffenenarbeit sowie einen „Cybergrooming-Baukasten“, mit dem sich eigene Projekte durchführen lassen. Das Netzwerk funktioniert: Der Landesverband vermittelt Fachkräfte, Expert*innen der Polizei und Vertreter der Landesanstalt für Medien. Die Finanzierung wird dadurch erleichtert, dass die Bethe-Stiftung eingehende Spenden für die Projekte verdoppelt.

Rheinland-Pfalz: 

Auch hier unterstützt eine Stiftung das Präventionsprojekt über mindestens zwei Jahre. Die Lotto-Stiftung stellt alle Erlöse aus einer landesweiten Sammlung zur Verfügung. Mit im Boot sind das Landeskriminalamt und die Medienanstalt, inklusive der EU-Initiative Klicksafe. Gleich zwei Ministerien, Bildung und Familie, kamen hinzu – zwar zunächst nicht mit Geld, aber mit Kontakten und Kommunikation. Dazu das Pädagogische Landesinstitut (PL) und das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum.

Als das Projekt offiziell vorgestellt wurde, war viel geschafft: Jede der 1.000 Grundschulen des Landes erhielt sieben Exemplare des Unterrichtsmaterials – viele aus den Händen von Kinderschützer*innen: 300 Schulen wurden persönlich beliefert. Eine sehr gut besuchte Online-Schulung war dem vorausgegangen. 

Elternabende, angekündigt durch Bildungsminister Sven Teuber, fanden auf einer Video-Plattform des LKA statt. Die hohe Nachfrage sprengte zunächst die Kapazitäten. Bis Januar 2026 nahmen über 4.000 Eltern teil. Fast 200 Lehrkräfte wurden zudem in einem halbtägigen Webinar und einem Präsenz-Workshop fortgebildet.

Große Freunde bei der offiziellen Vorstellung des Projekts in Rheinland-Pfalz, bei der Verena Alhäuser und Joachim Türk vom Kinderschutzbund mit dabei waren. | Foto: Stefan Sämmer

Ein weiteres Angebot qualifiziert Fachkräfte aus Schule, Kita, Jugendhilfe und Erwachsenenbildung für medienpädagogische Elternarbeit. In drei zweitägigen Modulen lernen sie Eltern in die Mediennutzung einzuführen, die Planung von Elternabenden und Netzwerke aufzubauen. Die Fortbildungen sind als Bildungsurlaub anerkannt.

Nach dem Vorbild Mecklenburg-Vorpommerns entsteht ein Theaterstück für die Klassenstufen 5 bis 7. Zudem wird in Zusammenarbeit mit einem großen Zeitungsverlag im Land eine Kinderzeitung vorbereitet, die sich an Grundschulkinder und ihre Eltern richtet. 

Besonders freut sich der Landesverband über eine neue Kooperation mit dem Landessportbund und der Sportjugend Rheinland-Pfalz: Das Projekt zielt ebenfalls auf den Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt – auch in Verbindung mit Schutzkonzepten. Mit knapp 5.800 Sportvereinen im Land ist die Zielgruppe groß. Damit die Ansprache passt, werden bei der Planung Kinder und Jugendliche einbezogen.

Das Netzwerk wächst – und mit ihm die Chancen, Cybergrooming wirksam zu bekämpfen.


Ausgabe 26-1

Schwerpunkt

Pubertät: Aufbruch ins Leben

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

Impressum

Mehr aus der DKSB-Praxis

Diese Webseite nutzt ausschließlich technisch notwendige Cookies.