Suche

Login

Registrieren

Mehr aus der DKSB-Praxis

Foto: eyeEm Mobile gmbh/iStock

Politik und Praxis

Wohnen muss bezahlbar sein

Wohnen bedeutet mehr als ein Dach über dem Kopf: Ein Zuhause gibt Geborgenheit, Sicherheit, Raum zur Entwicklung und ermöglicht Teilhabe. Doch für viele Kinder, Familien, Careleaver und junge Menschen in Deutschland wird Wohnen zunehmend zur Herausforderung. Steigende Mieten, fehlender sozialer Wohnraum und die Folgen von Armut treffen sie besonders hart.

Die Wohnkosten in Deutschland sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Nicht nur in Städten, auch auf dem Land fehlt oft bezahlbarer Wohnraum. Familien kämpfen auf dem angespannten Wohnungsmarkt mit überteuerten Mieten, langen Wartelisten im sozialen Wohnungsbau oder unsicheren Zwischenlösungen. Der Kinderschutzbund fordert deshalb gerechtere Wohnbedingungen und hat dies in einem Positionspapier veröffentlicht. Kinder, Familien, Careleaver und junge Menschen in Ausbildung oder Studium brauchen bezahlbare, inklusive und angemessene Wohnungen.

Wenn Wohnen zur Armutsfalle wird   

Armutsgefährdete Familien leiden besonders unter der Wohnungsnot. Wer jeden Euro umdrehen muss, kann sich kaum eine passende Wohnung leisten. Viele dieser Familien geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete aus. Was bleibt, reicht oft nicht für eine Mitgliedschaft im Sportverein, Schulmaterialien, Spielzeug, Nachhilfe oder Urlaub. 

Ein Umzug in günstigere Wohnungen scheitert meist am fehlenden Angebot. Viele Familien bleiben in zu kleinen Wohnungen – mit hohen Kosten, schlechten Bedingungen und ohne Perspektive. Für Kinder und Jugendliche ist das belastend.   

Kinder und Jugendliche leiden besonders 

Enge Wohnungen ohne Rückzugsmöglichkeiten und Platz zum Spielen oder Lernen beeinträchtigen die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Hausaufgaben am Küchentisch, kein eigenes Zimmer, keine Möglichkeit, Freunde einzuladen – all das nimmt ihnen Freiräume. 

Die Folgen sind gravierend: Konflikte in der Familie nehmen zu, Stress und gesundheitliche Belastungen steigen. Kinder schämen sich für ihre Wohnsituation, ziehen sich zurück und fühlen sich ausgegrenzt. Ihre Chancen auf Bildung und eine gesunde Entwicklung sinken. 

Auch das Wohnumfeld prägt die Zukunft. Kinder aus armen Familien leben oft in Vierteln mit schlechter Bausubstanz, wenig Infrastruktur und hoher Umweltbelastung. Die soziale Trennung in deutschen Städten verschärft ungleiche Startbedingungen: Kinder aus wohlhabenden Familien wachsen seltener in solchen Gegenden auf. 

Foto: georgeclerk/iStock

Wenn Kinder ihr Zuhause verlieren 

Besonders dramatisch ist die Lage für wohnungslose Familien. Laut Statistischem Bundesamt lebten am 31. Januar 2025 rund 130.000 Minderjährige in Notunterkünften. Weitere 6.600 Kinder und Jugendliche wohnten provisorisch bei Freunden, Bekannten oder Verwandten. 2.000 Minderjährige lebten sogar auf der Straße. Fast ein Drittel der von Wohnungslosigkeit Betroffenen ist unter 18 Jahre alt. 

Notunterkünfte sind nur als Übergangslösung gedacht, doch viele Familien bleiben dort jahrelang. Es schadet der Entwicklung und psychischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, wenn ihnen über eine lange Zeit Schlaf, Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe fehlen. „Kinder brauchen ein Zuhause, um gesund aufzuwachsen, Freundschaften zu pflegen und in der Schule anzukommen. Ein Leben in Notunterkünften bedeutet Unsicherheit, Stigmatisierung und fehlende Teilhabe“, so Daniel Grein, Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbundes. 

Careleaver stark gefährdet 

Careleaver – also junge Menschen, die aus stationären Hilfen wie Wohngruppen oder Pflegefamilien in die Selbstständigkeit entlassen werden – stehen vor besonderen Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Für viele von Ihnen endet mit dem 18. Geburtstag die gesetzliche Hilfe. Plötzlich müssen sie allein eine Wohnung finden und ihren Alltag bewältigen. Mit Anfang 20 alleine zurechtzukommen ist schwer – und noch schwerer für junge Menschen, die familiär massiv vorbelastet sind. 

Viele Careleaver haben weder Netzwerke, die bei der Wohnungssuche unterstützen, noch finanzielle Rücklagen oder jemanden, der eine Bürgschaft übernimmt. Sie verfügen oft nur über ein geringes, unsicheres Einkommen und sind auf dem knappen Wohnungsmarkt besonders benachteiligt. Neben der Wohnungssuche müssen sie Ausbildung, Studium oder Arbeit stemmen – eine enorme Belastung.

Was fordert der Kinderschutzbund?

Damit Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht länger unter Wohnungsnot und Armut leiden, fordert der Kinderschutzbund:

Mehr bezahlbaren Wohnraum: Der soziale Wohnungsbau muss ausgebaut werden, damit Familien mit geringem Einkommen passende Wohnungen finden. 

Gezielte Unterstützung für Careleaver: Junge Menschen ohne familiären Rückhalt brauchen Wohnangebote, Beratung und finanzielle Hilfen für den Übergang in die Selbstständigkeit. 

Stärkung von Studierenden und Auszubildenden: Es muss mehr bezahlbaren Wohnraum für Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung und Studium geben. Das Sonderprogramm „Junges Wohnen“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sollte ausgebaut werden.

Kinderrechte ins Zentrum stellen: Die Wohnpolitik muss sich stärker an den Bedürfnissen von Kindern orientieren. Jedes Kind hat ein Recht auf ein Zuhause, das Schutz, Platz und Teilhabe ermöglicht.

Prävention von Wohnungslosigkeit: Frühzeitige Hilfen und niedrigschwellige Beratungsangebote sollen verhindern, dass Familien oder junge Erwachsene ihre Wohnung verlieren.

Wohnen ist ein Kinderrecht, kein Luxus. Unsichere, beengte oder mangelhafte Wohnverhältnisse gefährden die Zukunft von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Kinderschutzbund fordert Politik und Gesellschaft auf, Wohnen als zentrale soziale Frage zu begreifen – damit jedes Kind ein Zuhause hat, in dem es sich entfalten kann. 

Weitere Informationen:

Das vollständige Positionspapier finden Sie unter:

B20. „Gerechtes Wohnen für Kinder und ihre Familien“

Ausgabe 25-4

Schwerpunkt

Jugendliches Engagement

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

Impressum

Mehr aus der DKSB-Praxis

Diese Webseite nutzt ausschließlich technisch notwendige Cookies.

Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um eine persönlichere Erfahrung zu bieten und Ihre Aktivitäten auf unserer Website im Einklang mit der Europäischen Datenschutzgrundverordnung zu verfolgen. Wenn Sie sich entscheiden, zukünftiges Tracking abzulehnen, wird ein Cookie in Ihrem Browser eingerichtet, um diese Entscheidung für ein Jahr zu speichern.

Akzeptieren oder Ablehnen