Suche

Login

Registrieren

Mehr aus der DKSB-Praxis

Auf dem Stressbarometer kann ein Kind sein Stresslevel visualisieren und erkennen, dass sein Verhalten eng damit zusammenhängt. | Foto: DKSB OV Köln

Politik und Praxis

Gestärkt durch die Powerkids!

Kinder, die mit belastenden Lebenssituationen kämpfen, fehlt es oft an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. In der Schule fallen sie auf, reagieren impulsiv und werden ausgeschlossen. Der Kinderschutzbund Köln hat mit PowerKids! ein Projekt initiiert, das diesen Kindern außerhalb der Schule eine Chance auf Bildung und neue Perspektiven eröffnet.

Es gibt viele Kinder, die keine unbeschwerte Kindheit erleben: Traumatische Erlebnisse, psychische Erkrankungen der Eltern, finanzielle Not und damit verbundene Scham und Schuldgefühle setzen die Familien unter Druck. Eltern können den Kindern manchmal nicht die Zuwendung und Sicherheit geben, die sie brauchen, um Selbstbewusstsein und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Diese Kinder fühlen sich in der Schule und in großen Gruppen überfordert. Manche reagieren impulsiv und aggressiv, andere ziehen sich zurück und meiden Kontakte sowie Herausforderungen. Dadurch werden diese Kinder häufig ausgegrenzt. Im offenen Ganztag fehlt oft die Möglichkeit, auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen.

Die Idee hinter PowerKids!  

Mit PowerKids! bietet der Kinderschutzbund Köln Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen einen geschützten Raum außerhalb der Schule. Dort können sie Selbstvertrauen aufbauen, soziale Fähigkeiten trainieren und Kraft für den Alltag schöpfen. „In der Schule hören diese Kinder oft Sätze wie ‚Du störst‘ oder ‚Du gehörst nicht dazu‘“, sagt Maria Schweizer-May, Bereichsleitung Prävention und Frühe Hilfen Kalk beim Kinderschutzbund Köln. Ziel ist es, den Kindern aus dieser Rolle herauszuhelfen. In der Gruppe sollen die Kinder spüren: Du bist wichtig. Du kannst etwas. Wir glauben an dich. Die Eltern sind in das Projekt PowerKids! einbezogen. So stärkt das Angebot die ganze Familie. Gefördert wird das Projekt durch die Stiftung der Deutschen Fernsehlotterie. 

Der Weg zu den PowerKids! 

Zu Beginn des Schuljahres startete die PowerKids!-Gruppe mit fünf Kindern, die bereits an vorangegangenen Angeboten des Kinderschutzbundes teilgenommen haben. Weitere Kinder finden ihren Weg über Empfehlungen von Schulsozialarbeiter*innen und Lehrer*innen, die das Projekt kennen. „Manchmal erreichen uns auch Anfragen von Kinder- und Jugendtherapeut*innen oder von Beratungsstellen“, berichtet Maria Schweizer-May.

Der Kinderschutzbund Köln ist im Stadtteil Kalk sehr gut vernetzt. Als Träger der Sozialraumkoordination setzt er sich für bessere Teilhabechancen und Lebensbedingungen von Familien ein, die von Transferleistungen leben. Zudem arbeitet er eng mit den Frühen Hilfen und dem Kalker Netzwerk für Familien zusammen. Dadurch bestehen direkte Kontakte zu vielen Einrichtungen, die Familien unterstützen, sowie zu den Schulsozialarbeiter*innen der Grundschulen. Wenn ein Kind vorgeschlagen wird, werden Eltern und Kind zu einem Kennenlerngespräch eingeladen, das auch eine kleine Spielsituation einschließt. „Dabei kann das Kind selbst äußern, was es möchte. Für viele ist es ungewohnt, wieder an etwas Besonderem teilzunehmen“, erklärt Maria Schweizer-May. In diesem Gespräch prüfen Fachkräfte und Familie gemeinsam, ob das Angebot passt. 

Auf kreative Weise finden die Kinder heraus, wo Kraft in ihrem Köper steckt. | Foto: DKSB OV Köln

Stabile Strukturen 

Die PowerKids! bilden eine feste Gruppe von maximal zehn Mädchen und Jungen im Grundschulalter. Wenn es für alle Beteiligten passt, können die Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit teilnehmen. Die PowerKids! treffen sich an allen Schultagen von 13 bis 16:15 Uhr im Kalker Treff des Kinderschutzbundes. Montags bleiben sie bis 18 Uhr, um die Turnhalle in der Nähe zu nutzen. „Wir erwarten, dass die Kinder mindestens vier Tage pro Woche teilnehmen. Eine stabile Gruppe ist wichtig, damit sie lernen, sich selbst zu regulieren“, erklärt Maria Schweizer-May. In der Gruppe erfahren die Kinder, wie verlässliche Beziehungen entstehen und Vertrauen wächst. Nach einem Mittagessen wird mit den Kindern besprochen, welche Themen brennend sind und was die Kinder benötigen, damit es ihnen gut geht. 

Für manche Kinder ist die Erledigung der Hausaufgaben wichtig, für andere, dass sie Anspannungen abbauen, Zeit für sich haben oder Zeit mit einer erwachsenen Person verbringen können. Für Hausaufgaben, pädagogische Angebote oder freies Spiel wird die Gruppe geteilt, damit jedes Kind individuelle Aufmerksamkeit erhält. Zwei Fachkräfte mit Zusatzqualifikationen und zwei Honorarkräfte – meist angehende Pädagog*innen oder Studierende verwandter Fachrichtungen – betreuen die Kinder. Der Betreuungsschlüssel von 2:1 ermöglicht eine intensive Förderung. Die Fachkräfte arbeiten mit Methoden aus der Traumapädagogik, Spieltherapie und Gesprächsführung. Die Honorarkräfte bringen eigene Talente ein, etwa Fotografieren oder Basketball. „So finden sie schnell Zugang zu den Kindern“, sagt Maria Schweizer-May. 

Immer steht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt – sei es beim Sport, Basteln, Kochen oder in Gruppenspielen. Die Kinder gestalten die Projekte mit ihren Ideen und Interessen aktiv mit. 

Gefühle wahrnehmen und ausdrücken 

Viele PowerKids! haben ein unsicheres Selbstbild. Sie sind oft angespannt oder wütend, können diese Gefühle aber kaum ausdrücken. In der kleinen Gruppe lernen sie, ihre Emotionen und Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen. Verschiedene Materialien, die die Kinder selbst basteln, unterstützen sie bei der Wahrnehmung. Auf dem Gefühlsbarometer können die Kinder die Intensität eines Gefühls einstellen und es damit sichtbar machen. Mit einem Stressbarometer lernen die Kinder ihr Stresslevel einzuschätzen und ihr Verhalten zu beobachten. „Kinder, die ihre Emotionen nicht wahrnehmen, können sie nicht benennen. Dadurch stoßen sie auf Ablehnung, statt Hilfe zu bekommen“, erklärt Schweizer-May. Je besser die Kinder lernen, ihre Gefühle auszudrücken, desto leichter fällt es ihnen, Regeln einzuhalten und mit anderen gut auszukommen. „Wir führen die Kinder zu sich selbst, damit sie sich besser kennenlernen“, sagt Schweizer-May. 

Mit dem selbstgebastelten Gefühlsbarometer gelingt es den Kindern leichter, die Intensität ihrer Gefühle einzuschätzen und über sie zu sprechen. | Foto: DKSB OV Köln

Eltern als wichtige Partner*innen 

PowerKids! bezieht die Eltern ganz bewusst mit ein. Einzel- und Gruppengespräche, Elternabende, gemeinsames Kochen oder die Einladung, den Kindern eigene Fähigkeiten zu zeigen, gehören fest zum Programm. Viermal im Jahr sind Familienentdeckertage geplant, bei denen Eltern und Kinder gemeinsam neue Orte erkunden – vom Wald bis zum Museum. Diese Ausflüge schaffen positive Erlebnisse, die den Alltag bereichern. „Eltern und Kinder nehmen sich in neuen, kompetenten Rollen wahr. Das stärkt die Familien“, sagt Maria Schweizer-May. Durch die intensive Begleitung, pädagogische Unterstützung und positiven Gruppenerfahrungen fühlen sich die Kinder gesehen und wahrgenommen. Dies stärkt ihre Potentiale und wirkt sich positiv auf das ganze Familiensystem aus. 

Mehr Kraft für die Schule 

Durch die festen Strukturen und die Unterstützung in der kleinen Gruppe gewinnen die Kinder emotionale Stabilität und neue Energie. Das verändert auch ihre Rolle in der Schule. Sie können sich im Unterricht besser konzentrieren und kommen in der Klasse besser zurecht. PowerKids! bietet Kindern aus belasteten Lebenssituationen einen Ort, an dem sie gestärkt werden – emotional, sozial und schulisch. Gleichzeitig unterstützt das Projekt die Eltern und trägt so zu einem gesunden Aufwachsen bei.


Ausgabe 25-4

Schwerpunkt

Jugendliches Engagement

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

Impressum

Mehr aus der DKSB-Praxis

Diese Webseite nutzt ausschließlich technisch notwendige Cookies.

Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um eine persönlichere Erfahrung zu bieten und Ihre Aktivitäten auf unserer Website im Einklang mit der Europäischen Datenschutzgrundverordnung zu verfolgen. Wenn Sie sich entscheiden, zukünftiges Tracking abzulehnen, wird ein Cookie in Ihrem Browser eingerichtet, um diese Entscheidung für ein Jahr zu speichern.

Akzeptieren oder Ablehnen