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Jan, Miriam und Basti (von links) sind am Telefon für Jugendliche da. | Foto: DKSB OV Braunschweig

Schwerpunkt

Ein offenes Ohr für Jugendliche

Wenn das Telefon klingelt, wissen die jungen Berater*innen: Am anderen Ende wartet eine Person in ähnlichem Alter, die dringend ein offenes Ohr braucht. Basti, Jan und Miriam engagieren sich ehrenamtlich im Team „Jugendliche beraten Jugendliche“ der Nummer gegen Kummer beim Kinderschutzbund in Braunschweig. Sie schätzen es, jungen Menschen beizustehen.

Samstags sitzen an 22 Standorten in Deutschland junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren beim Beratungsangebot „Jugendliche beraten Jugendliche“ am Telefon, um Gleichaltrigen zuzuhören. Zu ihnen gehören Basti, Jan und Miriam. Sie beraten Jugendliche mit Sorgen oder Ängsten – vertraulich, anonym und kostenlos. Die Themen sind vielfältig: Liebeskummer, Sexualität, Mobbing, Depressionen, Einsamkeit, Streit mit den Eltern oder sexualisierte Gewalt. Oft sind die jungen Berater*innen für die Jugendlichen am anderen Ende der Leitung die ersten Ansprechpartner*innen. Manche Gespräche beginnen mit Schweigen, Wut oder Trauer. Behutsam versuchen die jungen Berater*innen, Kontakt zu der anrufenden Person herzustellen. „Man weiß nie, wer anruft und welches Thema zur Sprache kommt. Das ist herausfordernd, aber auch spannend“, sagt Basti.

Die Motivation, am Telefon zu beraten, ist unterschiedlich. Miriam studiert Psychologie und sammelt erste Berufserfahrung: „In den Gesprächen geht es oft um psychische Probleme. Ich bekomme praktische Einblicke, die mir später im Beruf helfen.“ Jans Beruf hat hingegen nichts mit der Beratungstätigkeit zu tun: „Schon in der Schulzeit wollte ich etwas bewegen. Es ist toll, allein mit meiner Stimme helfen zu können. Ich mag es, Menschen neue Blickwinkel aufzuzeigen.“ Basti möchte Kindern und Jugendlichen Gehör verschaffen: „Die hohe Auslastung der Beratungstelefone zeigt, dass Hilfsangebote fehlen. Zuhören kann viel bewirken.“

Vorbereitung und Schulung 

Vor ihrem Einsatz durchlaufen die Freiwilligen eine Ausbildung. Sie lernen in Schulungen ihre Stärken und Grenzen kennen, üben Gesprächsführung und trainieren den Umgang mit schwierigen Themen in Rollenspielen. Weitere Schulungen behandeln Problemlagen wie Suizidalität, Kindeswohlgefährdung oder Trauerbegleitung. Auch interkulturelle Kompetenz wird vermittelt. Die Schulungen beim Kinderschutzbund Braunschweig laufen fortlaufend, sodass man jederzeit einsteigen und sich weiterbilden kann. 

Zu Beginn hospitieren die Neuen bei erfahrenen Berater*innen. „Das hat mir sehr geholfen. Ich habe viel darüber gelernt, wie man ein Gespräch beginnt“, sagt Miriam. Auch Basti schätzt die Hospitationen: „Sie erleichtern den Einstieg Schritt für Schritt.“

Unterstützung im Ehrenamt 

Basti, Jan und Miriam fühlen sich beim Kinderschutzbund Braunschweig von Koordinatorin Heide Lorenz gut begleitet. Regelmäßige Supervisionen und kollegiale Beratungen bieten Raum, Unsicherheiten oder Probleme zu besprechen. Bei schwierigen Anrufen – etwa bei Suizidgedanken, Gewalt oder Missbrauch – gibt es klare Notfallpläne und den Hintergrunddienst. „Wir werden nicht allein gelassen“, sagt Miriam. „In extremen Fällen hilft Heide Lorenz sofort. Unsere Gesundheit steht immer an erster Stelle.“ Jan ergänzt: „Wenn ich Unterstützung brauche, bleibe ich ehrlich. Ich bitte die anrufende Person, kurz zu warten, während ich Rat einhole.“ Ob im Notfall die Polizei oder Behörden eingeschaltet werden, entscheidet die Koordinatorin in Absprache mit dem Coaching-Team der Nummer gegen Kummer.

Angenehme Bedingungen

Auch die Rahmenbedingungen in Braunschweig machen das Ehrenamt für Basti, Jan und Miriam attraktiv. Der Kinderschutzbund übernimmt die Ausbildungskosten, der Standort liegt zentral und die Berater*innen arbeiten in modernen Räumen. Getränke stehen bereit, Fahrtkosten zu Schulungen werden erstattet und es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung. „Wir sind mittlerweile eine tolle Gemeinschaft“, sagt Jan. „Es macht Spaß mit anderen Berater*innen zusammenzukommen und sich auszutauschen. Ich empfinde das als sehr bereichernd.“

Flexibilität im Einsatz

Basti, Jan und Miriam schätzen, dass sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit flexibel planen können. Ein Dienst dauert zwei Stunden. „Ich versuche, einmal pro Woche einen Dienst zu übernehmen. Das klappt nicht immer, aber grundsätzlich lässt sich die Arbeit am Telefon gut in meinen Alltag integrieren“, sagt Basti. Es gibt drei Zeitblöcke zwischen 14 und 20 Uhr, in die man sich eintragen kann. Jan, der schon länger dabei ist, hat die Intensität seines Engagements immer wieder angepasst: „In der Schulzeit habe ich bis zu sechs Stunden in der Woche gearbeitet. Während des Abiturs und in Prüfungsphasen während des Studiums waren es weniger Dienste. Die Flexibilität ist super.“ Die enge Kommunikation mit der Koordinatorin und die Wertschätzung ihrer Arbeit motivieren die jungen Berater*innen zusätzlich.

Foto: DKSB OV Braunschweig

Was das Ehrenamt bringt

Das Engagement bedeutet Basti, Jan und Miriam viel. Jan erinnert sich, wie schockierend es anfangs war, in welchen Situationen Kinder und Jugendliche stecken: „Wir haben mal eine Flüchtlingsunterkunft besucht und einen Verein, der sich um das Thema Gewalt gegen Frauen kümmert. Dabei habe ich sehr viel gelernt, was mir mit 16 Jahren noch nicht geläufig war.“ Basti sagt: „Ich habe durch die Gespräche mehr Verständnis für viele unterschiedliche Lebenswelten und Menschen entwickelt.“ Das Wissen aus den Schulungen ist auch für seinen Alltag hilfreich. Miriam hat nicht nur Beratungskompetenz und Gesprächsführung gelernt, sondern auch, wie sie belastende Inhalte nicht mit nach Hause nimmt. „Die Anonymität schützt nicht nur die Anrufer*innen, sondern auch mich“, sagt sie.

Zuhören macht den Unterschied 

Die Stärke der jungen Berater*innen liegt im Zuhören. Sie nehmen die Sorgen der Anrufenden ernst und zeigen neue Perspektiven auf. Wer anruft, spürt: Hier ist jemand, der meine Welt versteht und mich nicht bewertet. „Wir müssen keine Lösungen finden. Die Anrufer*innen kennen sich selbst am besten. Wir begleiten sie dabei, eigene Wege der Problembewältigung zu entdecken“, sagt Basti. Jan ergänzt: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn ein Gespräch etwas bewirkt hat.“ 

Kinder- und Jugendtelefon

Das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer ist montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr unter 116111 erreichbar.

Jugendliche beraten Jugendliche

Speziell ausgebildete junge ehrenamtliche Berater*innen sind samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar.

Mitmachen? Sehr gern!

Für die Beratungstelefone werden immer engagierte junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren gesucht.

Nimm gern Kontakt zu dem Standort in Deiner Nähe auf:

Berater*in werden

Ausgabe 25-4

Schwerpunkt

Jugendliches Engagement

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

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