
Stark für Kinderrechte
Hessische Bildungsorte sind dazu verpflichtet, Kinderrechte bei Kindern und Erwachsenen bekannt zu machen und im Alltag für Kinder erlebbar zu gestalten. Um eine flächendeckende Umsetzung zu fördern, wurde beim Kinderschutzbund Gießen im März die „Fachstelle Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung“ eingerichtet. Sie qualifiziert, berät und informiert Fachkräfte, Träger, Eltern und Kinder.
Hessen als Vorreiter bei Kinderrechten
Hessen nimmt bundesweit in der Bekanntmachung und Umsetzung von Kinderrechten seit Jahren eine Vorreiterrolle ein. Es war das erste Bundesland, das ein landesweites Monitoring zur Umsetzung der Kinderrechte einführte. Das Deutsche Institut für Menschenrechte weist Hessen neben Bremen als eines von zwei Bundesländern aus, die alle Grundprinzipien der Kinderrechte in ihre Landesverfassung aufgenommen haben (§4, Abs. 2 Verfassung des Landes Hessen).
Auch im Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0-10 Jahren, der zentralen Arbeits- und Orientierungsgrundlage der frühkindlichen Bildung und Betreuung in Hessen, sind die Kinderrechte verankert. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention sind somit vorbildlich.
Erfolge und Herausforderungen
Die Praxis zeigt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche ihre Rechte zumindest grundsätzlich kennen. Dazu beigetragen haben sicher Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und die sozialen Medien. Auch in der Umsetzung können positive Entwicklungen beobachtet werden, wozu die flächendeckende Erarbeitung von Schutzkonzepten und Beschwerdemanagement in den Bildungsorten förderlich war.
Dennoch lassen sich auch Herausforderungen erkennen, mit denen die Praxis – wie in allen anderen Bundesländern auch – umgehen muss: Durch den sich abzeichnenden Personalmangel in der Kindertagesbetreuung gibt es auch hier Einschnitte. Hinzu kommen gesamtgesellschaftliche Herausforderungen wie die Folgen der Corona-Pandemie, Kriege und antidemokratische Tendenzen, die natürlich auch in den Einrichtungen offenbar werden und diese herausfordern und belasten. Es bleibt weiter wichtig, Kinderrechte in der frühen Bildung bekannt zu machen und umzusetzen.
Vorarbeit im Kinderschutzbund Gießen
Seit 2011 führt der Kinderschutzbund Gießen sogenannte „KiKS-Projekte“ (Kinderrechte in Kindertageseinrichtungen und Schulen) an Gießener Kindertagesstätten durch. Diese Projekte machen Kinderrechte für Drei- bis Sechsjährige greifbar – etwa durch Rollenspiele, Erzähltheater oder Foto- und Audiodokumentationen. Gemeinsam werden die Relevanz und Alltagsbezüge der einzelnen Kinderrechte erarbeitet, sichtbar gemacht und im Einrichtungsalltag und den Familien wiederholt aufgegriffen. Kinder lernen so, ihre Rechte wahrzunehmen und einzufordern.
Basierend auf den Erfahrungen der KiKS-Projekte setzte der Kinderschutzbund Gießen gemeinsam mit dem Land Hessen drei Modellprojekte um, in denen Kita-Teams hessischer Kindertageseinrichtungen zur Umsetzung von Kinderrechten in ihren Einrichtungen fortgebildet wurden. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Kinder wurden gestärkt und zahlreiche positive Prozesse bezüglich Schutz, Förderung und Beteiligung von Kindern wurden angestoßen und umgesetzt. Zwischen 2019 und 2024 wurde das Konzept evaluiert und weiterentwickelt. Seit März 2025 setzt die Fachstelle Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales diese Arbeit fort.

Die Fachstelle Kinderrechte: Ziele und Angebote
Die Fachstelle Kinderrechte baut auf bewährte Ansätze auf und ergänzt sie um weitere wichtige Bausteine. Sie versteht sich als qualitative Bereicherung der bestehenden Fortbildungs- und Unterstützungslandschaft in Hessen und arbeitet eng mit anderen hessischen Fachstellen zusammen.
Ihre Ziele umfassen
- die Förderung der Bekanntmachung und Umsetzung von Kinderrechten auf Basis des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren,
- die Beratung und Vernetzung von Beteiligten in frühkindlichen Bildungsorten,
- den Ausbau und die Förderung lokaler Netzwerke zu Kinderrechten,
- die Vermittlung von Fachwissen und den Austausch zwischen Akteuren, sowie Prozessentwicklung und Organisationsberatung zu Kinderrechten für Träger der Kindertagesbetreuung.
Die Fachstelle macht Angebote für alle Beteiligten in der Kindertagesbetreuung: für Kinder und Eltern, Fachkräfte, Fachberatungen und Träger.
Bildungsorte wie Kindertagespflege, Krippen, Kitas, Grundschulen und Betreuungen können die seit 2022 angebotenen Fortbildungen zur Umsetzung von Kinderrechten weiterhin wahrnehmen. Einrichtungen, die bereits teilgenommen haben, können jährlich an einem Follow-up Tag teilnehmen, um Prozesse zu reflektieren, zu vertiefen und Netzwerke zu stärken.
Kinder und Eltern erhalten im Rahmen der Teilnahme ihrer Bildungsorte individuell mit den Einrichtungen entwickelte von der Fachstelle begleitete Angebote, um Kinderrechte im eigenen Alltag in Institutionen, Familien und Sozialräumen kennenzulernen, zu erleben und für diese einzutreten.
Zudem veranstaltet die Fachstelle Fachtage zu Kinderrechten für Kinder, die regional wechselnd in Hessen stattfinden. Hier können Kinder ihre Rechte kennenlernen, insbesondere sollen aber Kinderperspektiven auf Kinderrechte und Bildungsorte sichtbar gemacht, multipliziert und einbezogen werden. Der erste Fachtag für Erwachsene wird sich mit der Diskriminierung von Kindern durch Adultismus befassen.
Fachberatungen und Träger können zudem landesweite Online-Angebote der Fachstelle nutzen, die Information, Beratung und Austausch zu Kinderrechten bieten. Träger haben die Möglichkeit, sich in einem einjährigen Organisationsentwicklungsprozess begleiten zu lassen, um Kinderrechte nachhaltig zu verankern und zu priorisieren.
Weitere Informationen und Kontaktdaten finden sich auf der Website der Fachstelle:
fachstelle-kinderrechte-hessen.de

Simone Wingen und Silvia Deichmann-Seidel,
Fachstelle Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung, Kinderschutzbund Orts- und Kreisverband Gießen

