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Foto: mesh cube/iStock

Politik und Praxis

Netzwerk Kinderschutz in Bonn

Das Landeskinderschutzgesetz NRW von 2022 gilt derzeit als das bundesweit stärkste Kinderschutzgesetz. Es setzt klare Standards. Doch wie wird es in der Praxis umgesetzt? Ein Blick auf das Netzwerk Kinderschutz in Bonn zeigt, wie der Kinderschutzbund und andere Organisationen zusammenarbeiten, um Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Vernachlässigung zu schützen.

Schon im Jahr 2018 hat die Stadt Bonn erkannt, dass beim Schutz von Kindern verschiedene Menschen und Organisationen zusammenarbeiten müssen. Deshalb wurde mit dem Kinderschutzbund Bonn das Netzwerk Kinderschutz für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, gegründet. Beim Kinderschutzbund Bonn ist seit September 2022 eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Im November 2023 wurde dann die Stelle für Koordination und Qualitätsentwicklung Kinderschutz im Jugendamt Bonn besetzt. Beide Koordinierungsstellen stellen in enger Abstimmung die umfassende Arbeit für das Netzwerk Kinderschutz sicher und erfüllen die Pflichtaufgaben aus dem Landeskinderschutzgesetz NRW.

Was regelt das Landeskinderschutzgesetz NRW? 

Das Landeskinderschutzgesetz NRW von April 2022 verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen besser vor Gewalt oder Vernachlässigung zu schützen. 

Zentrale Inhalte des Gesetzes sind:
Stärkung der Kinderrechte: Kinderschutz und Kinderrechte sind eng miteinander verbunden. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Beratung, Information und Beteiligung an Entscheidungen, die sie betreffen.
Hohe Standards: Es gibt verbindliche Standards für die Arbeit der Jugendämter, insbesondere bei der Einschätzung von Kindeswohlgefährdungen. 
Qualitätsentwicklung: Die Jugendämter müssen regelmäßig überprüfen, wie gut sie arbeiten, und ihre Abläufe verbessern.
Netzwerke Kinderschutz: Jugendämter sind verpflichtet, interdisziplinäre Netzwerke mit anderen Einrichtungen und Fachleuten zu bilden, damit im Ernstfall effektiv zusammengearbeitet werden kann (kooperativer Kinderschutz).
Schutzkonzepte: Alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Kindertagespflege und Offene Ganztagsschulen müssen Schutzkonzepte entwickeln, anwenden und regelmäßig überprüfen.

Wie ist die bundesweite Lage? 

Bundesweit gilt das Bundeskinderschutzgesetz, das Standards für den Schutz von Kindern und Jugendlichen festlegt. Die Umsetzung und Ausgestaltung des Kinderschutzes ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Einige Bundesländer haben ebenfalls umfassende Gesetze erarbeitet. Rheinland-Pfalz hat beispielsweise bereits seit 2008 ein Landeskinderschutzgesetz mit verbindlichen Regelungen für die Netzwerke im Kinderschutz. Und in Brandenburg wurde 2024 sogar ein Landeskinderschutzgesetz mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen verabschiedet. 

Das Netzwerk in Bonn 

Struktur: Das Netzwerk Kinderschutz in Bonn bringt verschiedene Organisationen zusammen, um den kooperativen Kinderschutz zu unterstützen, zum Beispiel: das Jugendamt, Kinderschutzfachkräfte, Kinderärzt*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Familienhebammen, das Gesundheitsamt, die Polizei, das Familiengericht, Verfahrensbeistände, Krankenhäuser und Rettungsdienste. Im Netzwerk Kinderschutz Bonn arbeiten aktuell mehr als 300 Personen aus verschiedenen Bereichen zusammen. Das Netzwerk wächst stetig. 

Angebote

Austausch und Vernetzung: Im Netzwerk gibt es monatlich das niedrigschwellige Kinderschutz-Café. Dort können Fachkräfte ihr eigenes Netzwerk ausbauen und in den Austausch kommen. Die Koordinatorin vertritt das Netzwerk zudem in vielen kommunalen fachlichen Netzwerken, zum Beispiel in den Frühen Hilfen sowie in Arbeitskreisen gegen Gewalt in Familien, für Inklusion und Prävention.
Beratung und Fallkonferenzen: Ebenfalls in den Kinderschutz-Cafés können Fälle aus der eigenen Arbeit vorgestellt und kollegial beraten werden. Außerhalb des Formats vermittelt die Koordinatorin bei Beratungsanfragen. Ein Ausbau des Netzwerks für die zunehmenden Beratungsanfragen nach §§ 8a und 8b SGB VIII in Verbindung mit dem § 4 KGG ist geplant.
Qualifizierung: Die Koordinatorin verschickt monatlich einen Newsletter, der über aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz informiert. Zudem werden ein- bis zweimal jährlich Fachtage oder andere Fortbildungen für Bonner Fachkräfte organisiert. Zusätzlich finden spezifische Schulungen statt, zum Beispiel gibt es seit 2024 eine Schulungsreihe für Schulleitungen zum Thema Schutzkonzepte. Diese wurde gemeinsam mit der Schulpsychologie entwickelt und durchgeführt.
Entwicklung einheitlicher Standards und Arbeitshilfen: Im Netzwerk Kinderschutz werden Arbeitshilfen in temporären Arbeitsgruppen überarbeitet, aktualisiert oder auch neu erstellt. Als Beispiel seien hier die Beobachtungsbögen für die Einschätzung beim Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung genannt.
Interkommunale Vernetzung: Die Bonner Koordinierenden haben Kontakt zu den jeweils zuständigen Stellen in den kommunalen Jugendämtern aufgebaut und nehmen regelmäßig an Gremien über die Stadtgrenzen hinaus teil. Dadurch wird die Qualität im Kinderschutz weiterentwickelt. Das Netzwerk Kinderschutz arbeitet auch mit anderen Fachleuten aus ganz NRW in der Konferenz der koordinierenden Kinderschutzfachkräfte zusammen. Sie wird vom Kompetenzzentrum Kinderschutz NRW beim Landesverband Kinderschutzbund NRW ausgerichtet. 
Öffentlichkeitsarbeit: Die Angebote des Netzwerks Kinderschutz sind im besten Fall allen Menschen bekannt, die beruflich oder privat mit Kindern Kontakt haben. Deswegen werden alle Termine, Angebote und Aktivitäten auf der Seite des Kinderschutzbundes Bonn veröffentlicht. Der Fokus lag in den vergangenen Jahren vor allem auf dem Aufbau von verlässlichen Strukturen für Fachkräfte. Die Öffentlichkeitsarbeit soll in Zukunft auch Privatpersonen besser erreichen, zum Beispiel über einen Social-Media-Kanal.

Wirkungen 

Viele Kinderschutzfachkräfte haben keinen oder zu wenig fachlichen Austausch innerhalb ihrer Organisationen, tragen aber eine hohe Verantwortung. Die Rückmeldungen zum Newsletter und dem Format des Kinderschutz-Cafés sind sehr positiv. Beide Angebote sind mittlerweile auch über Bonn hinaus bekannt und werden genutzt. Darüber hinaus steigt die Sensibilität für das Thema Kinderschutz bei handelnden Personen in der Stadtverwaltung und kommunalen Einrichtungen. Das ist eine großartige fachliche Entwicklung, die insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels eine Verbesserung der Qualität im Kinderschutz bedeutet: Nur wer sich auskennt, traut sich, hinzuschauen und zu handeln.

Weitere Informationen zum Netzwerk finden Sie unter:

kinderschutzbund-bonn.de/netzwerk-kinderschutz-bonn


Ausgabe 25-3

Schwerpunkt

Verbündete fürs Leben

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

Impressum

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