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Der Besucherkindergarten hat einen eigenen Raum im Universitätsklinikum Marburg. Über die Betreuungsangebote des Kinderschutzbundes informieren Flyer, Aushänge und Mitarbeitende des Krankenhauses die Familien. | Foto: DKSB Marburg-Biedenkopf

Schwerpunkt

Kind im Krankenhaus

Ein Krankenhausaufenthalt ist für Kinder und ihre Familien oft mit Sorgen, Ängsten und hoher emotionaler Belastung verbunden. Besonders für kleine Patient*innen, die von ihrer vertrauten Umgebung und engen Bezugspersonen getrennt sind, kann diese Zeit verunsichernd und einsam sein. 
Aber auch die Geschwister leiden unter der Situation. Seit 2006 bietet der Kinderschutzbund Marburg-Biedenkopf mit dem Projekt „Kind im Krankenhaus“ Unterstützung an.  Ehrenamtliche stehen Kindern im Krankenhaus, ihren Geschwistern und Familien in schwierigen Momenten zur Seite.

Zuwendung in schwierigen Zeiten 

Bei einem Klinikaufenthalt eines Kindes bleibt Eltern oft nur wenig Zeit, ihr Kind durchgängig zu begleiten – sei es aus beruflichen Gründen, wegen anderer familiärer Verpflichtungen oder weil sie sich durch Sorge und Stress überfordert fühlen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Projekts besuchen die Kinder auf der Station, bieten Nähe, Aufmerksamkeit und emotionale Zuwendung. Sie spielen, malen, basteln, lesen vor oder hören einfach zu. Dabei stehen die Bedürfnisse der Kinder stets im Mittelpunkt – das Angebot ist niederschwellig, situationsorientiert und sensibel für die jeweilige Lebenslage der Familie.

Immer häufiger kommen kleine Patient*innen (wenn sie die Station eigenständig verlassen können und dürfen) auch von sich aus auf das Angebot zu. Sie fühlen sich auf der Station einsam, vermissen ihre Eltern oder Geschwister – und suchen nach einem vertrauten Gegenüber. Die Ehrenamtlichen schenken ihnen Zeit und Präsenz, schaffen Vertrauen und sorgen mit liebevoller Zuwendung für eine spürbare emotionale Entlastung.

Geschwisterkinder im Blick 

Nicht nur das kranke Kind selbst ist von einem Krankenhausaufenthalt betroffen – sondern auch die Geschwisterkinder. Sie geraten in dieser Ausnahmesituation oft in den Hintergrund. Fachlich ist bekannt, dass sogenannte „Schattenkinder“ in Krankheits- und Krisensituationen häufig mit emotionaler Überforderung, Verunsicherung und Gefühlen von Zurückweisung oder Schuld reagieren. Besonders jüngere Geschwister können noch nicht verstehen, warum sich plötzlich alles um das erkrankte Kind dreht, warum Routinen wegbrechen und warum Mama oder Papa weniger verfügbar sind.

Das Projekt „Kind im Krankenhaus“ reagiert gezielt auf diese psychosozialen Belastungen: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreuen Geschwisterkinder vor Ort, wenn Eltern ihr krankes Kind auf der Station besuchen. Durch kindgerechte und strukturierte Spiel-, Bastel- und Vorleseangebote wird ein geschützter Raum geschaffen, in dem die Kinder zur Ruhe kommen, Vertrauen aufbauen und ihre Fragen oder Sorgen thematisieren können.

Dabei geht es nicht nur um Ablenkung, sondern auch um stabilisierende Beziehungserfahrungen: Die ehrenamtlich Tätigen geben dem Geschwisterkind das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden. Sie schaffen Inseln der Aufmerksamkeit, die dem Kind helfen, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken – ein zentraler Aspekt im Sinne einer präventiven, kinderschutzorientierten Arbeit.

Diese Form der psychosozialen Begleitung trägt dazu bei, Resilienzfaktoren bei den Geschwisterkindern zu stärken, ihre emotionale Entwicklung zu unterstützen und familiäre Belastungen abzufedern. So wird verhindert, dass sich Unsicherheit, Rückzug oder Eifersucht verfestigen – Reaktionen, die sonst nicht selten in längerfristige Verhaltensauffälligkeiten münden können.

Foto: Tetyana Linnik/iStock

Qualität und Schutz – eng begleitet

Das Projekt „Kind im Krankenhaus“ ist eng an die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes Marburg-Biedenkopf angebunden. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden dort stehen den Ehrenamtlichen kontinuierlich zur Seite – mit fachlicher Beratung, organisatorischer Unterstützung und Möglichkeiten zur Reflexion. Diese enge strukturelle Einbindung sichert nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern stärkt und wertschätzt auch die ehrenamtlich Engagierten in ihrer Rolle.

Ein zentrales Element des Projekts ist zudem das verankerte Schutzkonzept, das den sicheren und achtsamen Umgang mit Kindern gewährleistet. Alle Ehrenamtlichen sind geschult, reflektieren regelmäßig ihre Tätigkeit und orientieren sich an verbindlichen Leitlinien zum Kinderschutz. So entsteht ein geschützter Raum, in dem sich Kinder emotional aufgehoben fühlen können.

Ehrenamt mit großer Wirkung

Seit fast zwei Jahrzehnten steht das Angebot „Kind im Krankenhaus“ für eine außergewöhnliche Form der Unterstützung: organisiert und getragen von engagierten Ehrenamtlichen, die mit Empathie, Verlässlichkeit und großem Herz Kindern und ihren Familien beistehen. Sie wirken dort, wo professionelle Hilfe an ihre Grenzen stößt – und wo menschliche Nähe den größten Unterschied macht.

Das Projekt zeigt eindrücklich, wie wirkungsvoll ehrenamtliches Engagement sein kann – und wie wichtig es ist, Familien in belastenden Lebenslagen ganzheitlich in den Blick zu nehmen. Denn jedes Kind – ob krank oder gesund – verdient Zuwendung, Verständnis und einen sicheren Platz inmitten seiner Welt.


Ausgabe 25-3

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