Suche

Login

Registrieren

Mehr aus der DKSB-Praxis

Foto: Sandra Kühnapfel

Politik und Praxis

Gute Kitas leben Kinderrechte

Wie in vielen Kitas stehen Kinderrechte auch in den Kitas der Berliner Eigenbetriebe im Fokus. Doch wie lassen sich Rechte, wie Mitbestimmung oder das Recht auf Spiel und Freizeit so verankern, dass sie im oft herausfordernden Kita-Alltag konsequent gelebt werden? Um dafür praktische Ansätze zu entwickeln, starteten die fünf Kita-Eigenbetriebe des Landes Berlin gemeinsam mit der Fachschule für Sozialpädagogik Pro Inklusio vor einem Jahr das Projekt „Gute Kitas leben Kinderrechte“.

„Neulich hatte ich eine Situation in der Kita: Ich wickelte ein Kind, als die Mutter eines anderen hereinkam, etwas suchte und mich in ein Gespräch verwickelte. Ich konnte mich nicht mehr auf das Kind konzentrieren. Wenn wir über Privatsphäre sprechen, frage ich mich, wie das für das Kind war. Wie handhabt ihr solche Situationen?“ Im Beteiligungsworkshop zum Baustein Pflegesituationen diskutieren  pädagogische Fachkräfte aus den fünf Kita-Eigenbetrieben Qualitätsstandards, die sich an Kinderrechten orientieren. Diese sollen bald für die pädagogischen Fachkräfte aller 288 Kitas der Eigenbetriebe handlungsleitend sein. Die Fachkräfte treffen sich mehrfach im Kita-Jahr, erheben die Perspektiven der Kinder zu Pflegesituationen und testen die erarbeiteten Standards in ihren Teams. 

Das Projekt begann im September 2024 mit einer großen Auftaktveranstaltung. Fach- und Leitungskräfte aus allen Kitas der Eigenbetriebe kamen zusammen, um das Projekt kennenzulernen und sich von verschiedenen Akteuren inspirieren zu lassen. 

Das Projekt  

Ziel ist es, Kinderrechte in allen Kitas der Eigenbetriebe durch gemeinsame Qualitätsstandards zu sichern und weiterzuentwickeln. Ein zentrales Merkmal des Projektes ist die aktive Beteiligung der Fachkräfte aus allen Kitas sowie die Einbindung der Kinderperspektive. 

Eine Steuergruppe aus Expert*innen der fünf Eigenbetriebe und der Fachschule erarbeitete im Vorfeld einen Kinderrechte-Ordner. Dieser bietet Fachkräften praktische Unterstützung und soll Freude an der Umsetzung der Kinderrechte fördern. 

Der Ordner enthält einen Wegweiser, Leitfäden für zwei vorbereitete Teamfachtage (Basis- und Aufbaufachtag) sowie den ersten Baustein zum Thema „Mahlzeiten“. Dieser bietet Methoden zur Bearbeitung und Evaluation. Alle Einrichtungen sind dazu eingeladen, die entwickelten Materialien zu nutzen. Sie stehen auf der Website der Kita-Eigenbetriebe zur Verfügung unter: 

kindergaertencity.de/vielfalt/gute-kitas-leben-kinderrechte

Foto: Christoph Wehrer

Der Beteiligungsprozess  

In einem dreijährigen Prozess entstehen 15 Bausteine, die Qualitätsstandards für Schlüsselsituationen im Kita-Alltag formulieren. Jedes Jahr entwickeln Fachkräfte aus den Kitas fünf Bausteine. In acht Terminen pro Jahr erarbeitet jede Gruppe einen Baustein. Die Fachkräfte nehmen Aufgaben mit in ihre Teams, um alle Kolleg*innen einzubinden. Sie erheben auch die Perspektiven der Kinder. Dazu führen die Fachkräfte mit den Kindern Kita-Besichtigungen und Gespräche durch, beobachten die Kinder oder lassen sie ihre Gedanken malen. Ziel ist es, die Sichtweisen der Kinder umfassend zu verstehen. Die Ergebnisse fließen in die Beteiligungsworkshops ein.

Zum Schluss testen die Fachkräfte den Baustein in ihrer Kita. Die Steuergruppe stellt Methoden zur Verfügung, um die pädagogische Arbeit im Team zu reflektieren und die Perspektiven der Kinder und Familien einzubeziehen. Mit den Rückmeldungen aus den Kitas finalisiert die Workshopgruppe den Baustein. 

Kinderrechte im Alltag – geht das?  

„Wir haben die Idee aus dem letzten Workshop gleich umgesetzt: Ein Schild an der Badtür signalisiert Eltern und Kolleg*innen, dass Wickelsituationen ungestört bleiben sollen. Ich habe meinen Kolleg*innen von der Diskussion berichtet. Danke, dass du das eingebracht hast.“ Zu Beginn jedes Workshoptages berichten die Fachkräfte, wie sie das Besprochene in ihre Teams eingebracht haben. Viele sind inspiriert, manche enttäuscht – etwa, wenn es an Unterstützung fehlt. 

Das erste Projektjahr ist vorbei. Viele Teams haben sich mit den Kinderechten auseinandergesetzt und den Baustein „Mahlzeiten“ genutzt, um ihre Arbeit zu reflektieren. 

90 Kitas nahmen an den ersten Beteiligungsworkshops teil, erhoben Kinderperspektiven und überprüften ihre pädagogische Praxis. Die Themen „Mikrotransitionen“, „Pflegesituationen“, „Ruhen und Entspannen“, „Spiel“ und „Gesprächssituationen“ wurden erarbeitet. 

Die Teilnehmenden schätzten den Austausch zwischen den Eigenbetrieben. Sie nahmen Ideen aus anderen Kitas mit und setzten sie um. Die Sensibilität für Kinderrechte wuchs. Doch es zeigten sich auch Herausforderungen: Fachkräfte, die sich zu wenig für das Thema interessieren, Kita-Leitungen mit anderen Prioritäten oder Rahmenbedingungen, die kinderrechtebasiertes Arbeiten erschweren. 

Zwei weitere Jahre stehen bevor. Neben der Entwicklung der Bausteine bleibt die Aufgabe, diese nachhaltig in die Praxis zu integrieren – von der Trägerebene bis zur einzelnen Fachkraft. „Wir dachten, wir hätten schon viel zu Kinderrechten gearbeitet. Doch der Baustein brachte neue Erkenntnisse, etwa zur Wahrung der Privatsphäre in Wickelsituationen. Diese haben wir direkt umgesetzt“, ist das Fazit einer pädagogischen Fachkraft aus dem Beteiligungsworkshop. 

Kinderrechte im Alltag zu leben bleibt eine ständige Aufgabe, sowohl in der Interaktion mit Kindern als auch in der Reflexion im Team. Die Eigenbetriebe lernen durch das Tun. Sie fördern eine Kultur, die Fehler als Chance begreift, und setzen auf ehrliches Feedback. Diese Haltung bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Kinderrechten in Kitas.

Bei der Erarbeitung der Methoden zur Kinderperspektive orientierte sich die Steuergruppe an Materialien der Bertelsmann-Stiftung.

Ausgabe 25-3

Schwerpunkt

Verbündete fürs Leben

Politik und Praxis

Kinder- und Jugendpolitik

Kinderschutz vor Ort

Impressum

Mehr aus der DKSB-Praxis

Diese Webseite nutzt ausschließlich technisch notwendige Cookies.