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Foto: Ute Bisinger

Politik und Praxis

Ein Clown in der Schule

Vor einem Jahr wurde Schulclown Maroni zusammen mit etwa 440 Kindern an der Grundschule Lindenberg im Westallgäu eingeschult. Seitdem begleitet die ungewöhnliche Schülerin die Kinder, um ihnen den Schulalltag zu erleichtern. Hinter der Figur steckt Anja Kronenberg vom Kinderschutzbund Lindenberg/Westallgäu. Ihr Ziel: Alle Kinder sollen gern zur Schule gehen.

Maroni ist neugierig, temperamentvoll, tollpatschig und oft ahnungslos. Sie spielt lieber, als dass sie lernt und vergisst ständig die Regeln. Ihr Lieblingsfach? Die Pause. Sie liebt bunte, blumige Kleidung in fröhlichen Farben, denn in denen macht der Tag mehr Spaß. Maroni kann mitfühlend sein, ohne ein Wort zu sagen. Manchmal ist sie einfach nur da. Ob jemand fröhlich, traurig, verzweifelt, wütend oder einsam ist: Maronis Lachen wirkt ansteckend.

Foto: Ute Bisinger

Lachen stärkt Kinder 

Wie Klinikclowns mit Humor heilen, bringt Maroni Leichtigkeit in den Schulalltag. Die Kinder fühlen sich durch sie freier. „Wenn Maroni in der Schule ist, dann habe ich Spaß“, sagt eine Schülerin. Und ein Schüler bemerkt: „Mit Maroni ist die Schule viel schöner.“ Maroni zeigt neue, manchmal ungewöhnliche Wege Probleme zu lösen, macht Mut und stärkt das Selbstvertrauen der Kinder – ohne Druck oder Bewertung. Mit Humor und Verständnis wird vieles einfacher. 

Neben Jugendsozialarbeit und Schulpsychologie ergänzt die Schulclownerie die Arbeit an Schulen durch künstlerische, theaterpädagogische und pädagogische Ansätze. Humor schafft neue Möglichkeiten für Begegnungen, Beziehungen und Konfliktlösungen. Maroni sorgt für glückliche, unbeschwerte Momente und bereichert so den Schulalltag. 

Einmal pro Woche nimmt Maroni als Schülerin am Unterreicht teil – und natürlich an den Pausen. Sie bewegt sich unter den Kindern nicht als Erwachsene, sondern als eine von ihnen. Neugierig und naiv streift sie durch Klassenzimmer, Schulhaus und Pausenhof. Dabei begegnet sei allen mit Offenheit, Toleranz, Tollpatschigkeit und einer charmanten Neigung zum Scheitern. „Es ist so lustig, wenn Maroni alles falsch versteht. Wir sollten unsere Stühle wegstellen. Da hat sie ihren zum Klassenzimmer rausgetragen. Ich muss ihr alles immer nochmal erklären“, berichtet eine Schülerin aus der 3. Klasse. Maronis Scheitern zeigt, dass Fehler Mut erfordern. Sie vermittelt, dass Unwissenheit menschlich ist. Maroni ist nichts peinlich, sie lernt gern dazu und wird so zum Vorbild. Mit ihrer liebevollen, unbekümmerten Art erreicht sie die Kinder und nimmt ihre Bedürfnisse ernst.

Auch in schwierigen Situationen nähert sie sich behutsam. Sie hilft, Spannungen und Konflikte zu lösen und neue Wege zu finden. Maroni wird nach kurzer Zeit zur Freundin, die mit Zuverlässigkeit und Freude für ein friedliches Miteinander sorgt. „Mit Maroni fröhlich, sie ist Freundin“, bemerkt ein Schüler. Ihre kindliche, unvoreingenommene Sichtweise eröffnet neue Perspektiven auf den Schulalltag.

Perspektive der Kinder ernst nehmen 

Anja Kronenberg alias Maroni arbeitet eng mit dem Kollegium der Schule zusammen und verbindet Kinder und Erwachsene: „Als Clown Maroni an der Grundschule Lindenberg ist es mir eine Herzensangelegenheit, den Kindern Raum für Leichtigkeit, Echtheit und Selbstsein zu schenken. 
Viele von ihnen tragen schwer an persönlichen oder familiären Themen, erleben Leistungsdruck und werden oft miteinander verglichen. Gerade deshalb braucht es einen Blickwechsel: Die Welt wieder durch Kinderaugen zu sehen ist Maronis Gabe – unvoreingenommen, spielerisch, voller Gefühl und Humor. Als Clown darf ich das jeden Donnerstag leben und bin überzeugt: Wer Kindern wirklich begegnen will, muss bereit sein, ihre Sicht der Dinge ernst zu nehmen. Das ist kein Luxus, sondern essenziell – für die seelische Gesundheit und die Resilienz aller Schüler*innen. Wer glaubt, Clowns seien nur Spaßmacher, war noch nie dabei, wenn ein Kind plötzlich wieder lacht, das gestern noch still war“, sagt Anja Kronenberg.

Auch das Schulpersonal schätzt ihre Wirkung. Andrea Wolter, Jugendsozialarbeiterin der Grundschule Lindenberg berichtet: „Donnerstag ist der beste Tag in der Schule: Dank unserer großartigen Maroni ist an diesem Tag Extra-Zeit für all die wichtigen Dinge, die zum Großwerden dazugehören: Lachen, Weinen, Trösten, Quatschmachen, in den Arm nehmen, Kuscheln, Konflikte lösen.“ 

Foto: Ute Bisinger

Verständigung ohne Sprache

Für das Schulklima ist die Anwesenheit von Maroni sehr wertvoll. „Maroni hat Geduld, sodass auch zurückhaltende Kinder auftauen. Sie zeigt ihre Gefühle, egal ob fröhlich oder traurig. Maroni versteht die Kinder auch ohne Sprache und sie dürfen ihre eigenen Ideen entwickeln. Besonders großartig für die Kinder ist es, wenn sie Maroni bei etwas helfen können. Das macht die Kinder sehr stolz. Und auch für Mamas in Sorge, zum Beispiel wenn ein Kind nicht in der Schule angekommen ist, ist Maroni da“, erzählt Ute Schinko, Grundschullehrerin.

Wer Schulclown werden will, braucht eine pädagogische, psychologische oder soziale Ausbildung, Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und eine Clown- oder Schulclown-Ausbildung. In Deutschland gibt es derzeit etwa 25 Schulclowns. Maroni war die erste in Bayern. Da der Bedarf an emotional stärkenden Konzepten an Schulen wächst, könnte die Schulclownerie weiter an Bedeutung gewinnen. „Wer Clowns in die Schule lässt, könnte plötzlich auf die Idee kommen, etwas zu verändern. Und manchmal endet es damit, dass man selbst zur roten Nase greift“, sagt Anja Kronenberg aus Erfahrung.

Weitere Informationen:

kinderschutzbund-lindenberg.de

Geschichten aus dem Schulalltag mit Maroni finden Sie unter #schulclowngeschichten

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sowie auf Facebook:

Der Kinderschutzbund Lindenberg/Westallgäu

Ausgabe 25-3

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