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In der AG „Meine Heimat“ erkunden die Kinder Eichstätt zu Fuß. | Foto: DKSB Eichstätt

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Mehr Räume für den Ganztag

Der Kinderschutzbund Ortsverband Eichstätt in Oberbayern ist Träger des Offenen Ganztags an der Grundschule St. Walburg. Ursprünglich als Mittagsbetreuung gestartet, können Kinder der Grundschule nun an bis zu fünf Nachmittagen betreut werden. Doch bei weiterem Zulauf wird es eng.

Von der Mittagsbetreuung zum Offenen Ganztag

Seit 1996/1997 bietet der Kinderschutzbund eine Mittagsbetreuung an der Grundschule St. Walburg an, später eine Verlängerte Mittagsbetreuung. Seit 2015/2016 ist er Kooperationspartner für den Offenen Ganztag. Anfangs war die Nachfrage gering, aber inzwischen nutzen immer mehr Familien das Betreuungsangebot. Die Betreuungsquote liegt derzeit bei 35 %. „Bei uns im ländlichen Raum übernehmen oft Großeltern oder Geschwister die Nachmittagsbetreuung. Familien tun sich zusammen und wechseln sich ab. Dadurch ist der Bedarf für den Ganztag bei uns nicht so hoch. Wir gehen davon aus, dass sich mit dem Rechtsanspruch wenig ändert. Alle, die einen Platz brauchen, bekommen derzeit auch einen“, sagt Sabine Kunz, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Eichstätt.

Mit der Einführung des Offenen Ganztags änderte sich vieles: Ein umfassenderes Konzept musste her, mehr Vorgaben des Ministeriums wurden erfüllt, etwa die Integration von Arbeitsgemeinschaften und die Zusammenarbeit mit Sportvereinen oder der Musikschule. Immer mehr Kinder kamen, sodass auch mehr Personal eingesetzt wurde. „Bei der Mittagsbetreuung betreuten engagierte Mütter die Kinder. Im Offenen Ganztag setzen wir pädagogisch geschultes Personal ein“, berichtet Anita Vogl, Leitung des Offenen Ganztags. Der Kinderschutzbund arbeitet nun eng mit der Schule zusammen: „Die Schulleitung ist jetzt federführend. Wir planen den Offenen Ganztag gemeinsam“, sagt Anita Vogl. 

Für die Eltern ist die ganztägige Betreuung kostenfrei. Nur das Mittagsessen muss bezahlt werden. „Wir wünschen uns, dass auch das Mittagessen kostenfrei ist. Das wäre wichtig für die Chancengleichheit aller Kinder“, meint Anita Vogl.

Strukturierter Tagesablauf

Das Kultusministerium gibt die Rahmenbedingungen für den Offenen Ganztag in Bayern vor. Eltern müssen für ein Schuljahr verbindlich festlegen, ob ihre Kinder bis 13, 14 oder 16 Uhr betreut werden sollen. Die Betreuung kann für einzelne Tage angemeldet werden, mindestens zwei Tage sind Pflicht. „Obwohl es ein Offener Ganztag ist, sind die Betreuungszeiten verbindlich. Der strukturelle Rahmen gibt den Kindern Sicherheit und macht die Angebote für uns planbar“, sagt Anita Vogl. „Früher konnten die Kinder wegen einer Geburtstagseinladung auch mal bei der Mittagsbetreuung fehlen. Jetzt braucht es einen wichtigen Grund, um das Kind abzumelden und das muss über die Schulleitung passieren“, sagt Sabine Kunz.  

Der Tagesablauf variiert je nach Betreuungszeit. Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen und Freizeitangebote gehören zur klassenübergreifenden Förderung und Betreuung der Kinder dazu. 

Zur Mittagszeit werden die Kinder in Gruppen eingeteilt. Die Kinder, die bis 16 Uhr bleiben, essen warm zu Mittag und machen Hausaufgaben. „Das ist fester Bestandteil des Konzepts“, erklärt Anita Vogl. In der letzten Stunde können die Kinder frei entscheiden, ob sie an einer der Arbeitsgemeinschaften teilnehmen. „Trotz der Struktur ist uns wichtig, dass die Kinder genug Zeit zum Spielen haben“, betont Sabine Kunz. „Das Kind steht bei uns im Mittelpunkt.“

Anita Vogl, pädagogische Leitung des Offenen Ganztags an der Grundschule St. Walburg (links) mit Stellvertretung Christine Völker. | Foto: DKSB Eichstätt

Räume fehlen

Zusätzlich zu der wachsenden Nachfrage nach Ganztagsschulplätzen besuchen immer mehr Schüler*innen die Grundschule St. Walburg. „Die ersten drei Klassenstufen sind jetzt nicht mehr zwei- sondern dreizügig“, berichtet Anita Vogl. „Die Räume, die wir früher mittags in der Schule nutzen duften, sind jetzt Klassen- und Gemeinschaftsräume.“ Der Offene Ganztag verteilt sich auf mehrere Gebäude: in der Schule, neben der Schule und in externen Räumen, die fußläufig zur Schule liegen. „Die Raumsituation ist unglücklich, aber wir haben das Beste daraus gemacht und nutzen Natur und Stadt als Lernerfahrungsräume mit“, sagt Sabine Kunz. Während mittags einige Kinder essen, gehen andere in der Arbeitsgemeinschaft „Meine Heimat Eichstätt kennenlernen“ spazieren.

Für die Hausaufgaben zwischen 14-15 Uhr werden bestimmte Klassenräume in der Schule und im Gebäude neben der Schule genutzt. „In der kalten Jahreszeit ist das Hin- und Herlaufen eine Herausforderung, weil man ständig am An- und Ausziehen ist“, sagt Anita Vogl. Wer schon nach kurzer Zeit mit seinen Aufgaben fertig ist, liest in einem extra Raum, bis die Hausaufgabenzeit vorbei ist. „Tägliches Lesen fördert aktives Zuhören, Sprache und Leseverständnis“, bemerkt Anita Vogl.

„Die Nachfrage und der Rechtsanspruch stellen die Schule und uns als Kooperationspartner sowie die Stadt als Sachaufwandsträger vor große Herausforderungen bezüglich des erhöhten Raumbedarfs für Betreuung, Mittagessen und Freizeit“, sagt Anita Vogl.

Positiv wahrgenommen

Das Betreuungsangebot des Kinderschutzbundes in Eichstätt wird positiv wahrgenommen. Zu den Eltern besteht ein guter Kontakt. Die Pädagog*innen tauschen sich beim Abholen der Kinder mit den Eltern aus und nehmen auch an Elterngesprächen oder Elternsprechtagen teil.  

Die Zusammenarbeit aller Mitarbeitenden im Offenen Ganztag funktioniert. „Die Vernetzung zwischen Schulleitung, Eltern, Lehrer*innen und der Jugendsozialarbeit ist gut“, sagt Anita Vogl. „Wir sind personell gut aufgestellt und arbeiten seit Jahren in einem Stammteam zusammen. Zusätzlich unterstützen uns Student*innen im Lehramt oder der Sozialen Arbeit an der Schule.“

Die Zufriedenheit der Kinder wird regelmäßig in Kinderkonferenzen, in Einzelgesprächen oder mithilfe eines Fragebogens erhoben. „Wir haben eine sehr gute Bindung zu den Kindern. Wir erkennen schnell, wenn etwas nicht stimmt, und beziehen Eltern und Lehrer*innen mit ein. So lösen wir viele Probleme“, sagt Anita Vogl.

Um die Qualität der ganztägigen Bildung und Betreuung in Eichstätt zu erhöhen, wäre neben mehr Räumen auch Sprachförderung wichtig: „Immer mehr nicht-deutschsprachige Kinder sind bei uns. Es wäre schön, wenn sie schnell Deutsch lernen und wir dafür mehr Zweit- oder Ergänzungskräfte im Unterricht einsetzen könnten“, meint Anita Vogl.


Ausgabe 25-1

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