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Foto: DKSB RV Freiberg

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Im Hort fehlen Fachkräfte

In Sachsen ist die ganztägige Betreuung von Grundschulkindern schon lange fest etabliert. Im Hort „Kibu“ des Kinderschutzbundes in Freiberg werden die Kinder in einem offenen Konzept betreut. Personalmangel und finanzielle Engpässe stellen das Team täglich vor Herausforderungen.

Der Hort „KiBu“ arbeitet eng mit der Grundschule „Carl Böhme“ zusammen. Die Mitarbeitenden des Kinderschutzbundes betreuen dort rund 220 Kinder aus allen sozialen Schichten, viele haben eine Migrationsgeschichte. „Unser Hort ist hier in Freiberg fest etabliert“, sagt Antje Mathaj, pädagogische Leitung im Hort Kibu: „In den ersten bis vierten Klassen, die wir betreuen, gibt es höchstens ein oder zwei Kinder pro Klasse, die den Hort nicht nutzen.“ Plätze sind ausreichend vorhanden, sogar einzelne Kinder benachbarter Grundschulen werden aufgenommen. „In Sachsen besuchen rund 90 % der Kinder Ganztagsangebote. Es geht hier beim Ganztagsausbau weniger um mehr Plätze, sondern eher um bauliche Investitionen“, erklärt Maria Fichte, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Freiberg. 

Ein sozialer Treffpunkt

„Unser Hort erfüllt vor allem eine soziale Funktion“, sagt Antje Mathaj. „Die Eltern schätzen, dass ihre Kinder am Nachmittag sinnvoll beschäftigt sind.“ Im Hort treffen sich die Kinder vor und nach dem Unterricht, spielen, widmen sich Hobbys oder erhalten individuelle Förderung. Im Rahmen des Hortes finden Arbeitsgemeinschaften (AGs) wie Töpfern, Kochen, Holzwerkstatt oder Yoga statt. Weitere Angebote werden durch externe Partner wie die Musikschule oder Sportvereine in den Räumlichkeiten der Schule angeboten. Dies entlastet Eltern und spart Wege.

Der Hort öffnet um 6 Uhr und schließt um 17 Uhr. Morgens können die Kinder einen Entspannungsraum nutzen um wach zu werden, frühstücken oder spielen. Zum Unterricht gehen sie nach oben in die Räume der „Carl Böhme“-Grundschule, die sich im selben Gebäude befindet. Der Nachmittag findet dann wieder in der unteren Etage statt. „Die meisten Kinder gehen um 15 Uhr nach Hause“, berichtet Antje Mathaj. „Am späten Nachmittag ist es dann ruhiger.“

Für die Betreuung hat die Stadt Freiberg einen Elternbeitrag festgelegt. Ein Vertrag über fünf Stunden deckt die Nachmittagsbetreuung ab. Eltern, die den Frühhort benötigen, schließen einen Vertrag über sechs Stunden. Zusätzlich ist Essensgeld an einen externen Partner, der das Mittagsessen bereitstellt, zu bezahlen.

Schule und Hort: Hand in Hand

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort „Kibu“ basiert auf einer langjährigen Kooperationsvereinbarung. Schulleitung und Hortleitung planen das Schuljahr gemeinsam. Die Hort-Pädagog*innen unterstützen die Lehrer*innen auch vormittags, etwa bei Lernzeiten, die an zwei Tagen pro Woche stattfinden. „In Kleingruppen werden die Kinder in verschiedenen Bereichen wie Konzentration, Bewegung oder Sport gefördert“, erzählt Antje Mathaj. Nachmittags übernehmen die Lehrer*innen AGs, während die Sozialpädagogin der Schule einzelne Kinder fördert. „Die Idee des Ganztags ist, die Angebote über den ganzen Tag hinweg zu verzahnen“, sagt Antje Mathaj.

Jede Klasse hat von Anfang an eine*n feste*n Bezugserzieher*in, die gemeinsam mit der Klassenlehrkraft ein Tandem bilden. Sie organisieren gemeinsam Elternabende, führen Gespräche und begleiten Ausflüge. Oft bleibt das Tandem über die gesamte Grundschulzeit bestehen. „Wenn man über viele Jahre eng zusammenarbeitet und sich gut kennt, ist das förderlich für die Kinder und auch für die Elternarbeit“, so Antje Mathaj. Ein Austausch auf kurzem Weg ist so jederzeit möglich – dies ermöglicht auch eine gemeinsame Haltung in der Kommunikation mit Eltern. 

Für Antje Mathaj ist eine gleichberechtigte Zusammenarbeit im Team entscheidend: „Wir haben alle das gleiche Ziel: Es soll den Kindern gut gehen. Keiner darf sich über den anderen stellen. Unterricht und Hort sind gleich wichtig, jeder hat seinen eigenen Bildungsauftrag.“ 

Freiräume im offenen Konzept

Der Hort „Kibu“ arbeitet nach einem offenen Konzept. Nach dem Unterricht melden sich die Kinder der zweiten bis vierten Klassen an der Rezeption an und entscheiden selbst, ob sie zuerst zu Mittag essen, draußen spielen, basteln oder sich zum Entspannen und Quatschen zurückziehen. Für das Mittagessen und die Hausaufgaben gibt es feste Zeitfenster und begrenzte Plätze, was für die Kinder durch ein Platzkartensystem ersichtlich wird. Im Anschluss daran finden die Arbeitsgemeinschaften statt, jedes Kind kann an maximal zwei AGs während eines Schuljahres teilnehmen.

Eine Tafel im Flur des Hortes zeigt, wo sich jedes Kind gerade aufhält. „Die Kinder heften ihren Magneten mit Foto und Vornamen an die entsprechende Stelle und ändern ihn, wenn sie den Raum wechseln. „Das klappt zuverlässig“, sagt Antje Mathaj. „So behalten wir den Überblick. Anders wäre das bei über 200 Kindern im offenen Konzept nicht möglich.“ 

Die Pädagog*innen sind an festen Positionen wie der Rezeption, der Essensausgabe oder in Themenräumen wie dem Bauraum, dem Dschungelzimmer oder dem Kreativzimmer im Einsatz. „Es braucht nicht immer ein großes Angebot für die Kinder. Oft reicht es, einfach da zu sein und zuzuhören“, meint Antje Mathaj.

Im Kreativzimmer dürfen die Kinder Materialien, die mit grünen Punkten markiert sind, selbstständig nutzen. Für rot markiertes Material muss ein*e Erzieher*in anwesend sein. „Kinder im Grundschulalter brauchen Freiräume und unbeobachtete Spielzeit. Das offene Konzept bietet sich dafür an, setzt aber auch Vertrauen in die Kompetenzen der Kinder voraus“, erklärt Antje Mathaj.

Personalmangel bremst den Alltag

Die Kinder wissen, dass grundsätzlich alle Erzieher*innen im Hort „Kibu“ für sie ansprechbar sind. Trotz des engagierten Teams fehlt es aber oft an Personal, um auf jedes Kind eingehen zu können. „Was uns im Alltag am meisten ausbremst, ist, dass zusätzlich zu unserem schlechten Personalschlüssel und den unbesetzten Stellen oft Kolleg*innen durch Krankheit und Urlaub ausfallen und wir dann die offene Arbeit nur bedingt gut durchführen können“, sagt Antje Mathaj.

Laut sächsischem Kita-Gesetz sind für 20 Kinder 0,9 Fachkräfte vorgesehen – Krankheitsfälle und Urlaubszeiten werden dabei nicht berücksichtigt. Mehr Personal wäre allerdings dringend notwendig, um die Qualität der Ganztagsbetreuung im Hort „Kibu“ zu verbessern. „Manchmal kommen die Kinder mit Problemen aus der Schule und finden keinen Ansprechpartner – das darf nicht passieren“, sagt Antje Mathaj.

Finanzielle Engpässe

Zwar fließen Gelder aus dem Ganztagsausbau in Honorare für zusätzliche oder externe Arbeitsgemeinschaften, doch für den Alltag fehlt es an Mitteln. Immer mehr Kinder in Freiberg benötigen Sprachförderung oder Unterstützung bei herausforderndem Verhalten. „Wir würden gerne stärker mit Psycholog*innen und Therapeut*innen zusammenarbeiten, um Kinder bei Traumata, häuslicher Gewalt oder Inobhutnahmen besser zu unterstützen“, sagt Antje Mathaj. 

Um das Wohl der Kinder im Ganztag sicherzustellen, spielt auch das Wohl des pädagogischen Personals eine Rolle: „Wir brauchen gut aufgestellte Pädagog*innen, die ihre Arbeit gut machen können. Dafür wären regelmäßige Supervisionen und mehr Fortbildungen wichtig.“


Ausgabe 25-1

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