
Gemeinsam Zukunft gestalten
Der Übergang von der Jugendhilfe in ein selbstständiges Leben kann herausfordernd sein. Das Careleaving-Projekt des Kinderschutzbundes Frankfurt unterstützt junge Menschen auf diesem Weg – mit individueller Begleitung und praktischer Hilfe für einen erfolgreichen Start in die Eigenständigkeit.
„Junge Menschen, die in Pflegefamilien oder stationären Einrichtungen aufgewachsen sind, verfügen oft nicht über das familiäre und soziale Unterstützungsnetz, das Gleichaltrige haben. Wir begleiten sie auf ihrem Weg ins selbstständige Erwachsenenleben und bieten ihnen Unterstützung, die ihnen sonst fehlen würde“, sagt Caro Thon, Sozialarbeiterin im Bereich Careleaving.
„Die Base“: Ein starkes Netzwerk
Die Anlaufstelle des Kinderschutzbundes Frankfurt für Careleaver trägt den englischen Namen „Die Base“: „Die Base bezeichnet unseren Zusammenschluss, der Careleaving, ehrenamtliche Einzelvormundschaften und Vereinsvormundschaften miteinander verzahnt. Wir haben uns für den Namen entschieden, weil wir mit den Vormundschaften und der Unterstützung von Careleavern eine Basis schaffen möchten: eine Grundlage für den erfolgreichen Start ins selbstständige Erwachsenenleben“, erklärt Caro Thon.
„Mit unseren vielfältigen Angeboten sind wir Anlaufstelle außerhalb des Jugendhilfesystems und sicherer Hafen zugleich. Wir verbinden Mündel mit Vormünder*innen, bringen Careleaver und Mentor*innen zusammen. Und wir bieten jungen Menschen und deren Unterstützer*innen zu jeder Zeit Halt, Beratung durch kompetente Fachkräfte und viel Raum für eigene Ideen“, so Anja Sommer, eine der Angebotsleiterinnen. Der Kinderschutzbund Frankfurt sucht noch nach der „Homebase“ als physischem Treffpunkt. Dort sollen Arbeits- und Lernbereiche sowie Räume entstehen, in denen sich die Careleaver austauschen und vernetzen können.
Hilfe bei der Wohnungssuche
Eine der Herausforderungen auf dem Weg ins Erwachsenenleben, besonders wenn man sie ohne finanzielle oder andere Unterstützung meistern muss, ist die Suche nach der ersten eigenen Wohnung. Schätzungen zufolge sind 10 Prozent der jungen Wohnungslosen unter 25 Jahren in Deutschland Careleaver.
Um diesen jungen Menschen den Übergang in ein eigenständiges Leben zu erleichtern und sie vor Wohnungslosigkeit zu bewahren, unterstützen sie die Mitarbeitenden des Projekts auf dem Weg zur eigenen Wohnung: „Zuerst schauen wir gemeinsam, wo der junge Mensch gerade steht. Vielleicht gibt es noch Kontakt zu ehemaligen Betreuenden aus der Jugendhilfe, die Möglichkeiten kennen, wo der junge Mensch bis zum Einzug in die erste eigene Wohnung leben kann? Manchmal ist eine Verlängerung der Unterkunftszeit in der stationären Einrichtung möglich. Ansonsten sind wir aktiv in der Netzwerkarbeit und prüfen, wo es bei unseren Partnern Unterkunftsmöglichkeiten gibt“, sagt Caro Thon.

Mentor*innen als wichtige Stütze
Das Herzstück des Projekts sind die Mentor*innen. Sie sind die wichtigsten Bezugspersonen für die Careleaver und stehen ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite. Mentor*in beim Kinderschutzbund Frankfurt kann jede*r werden, der die Mentoring-Schulung des Verbandes absolviert hat. Caro Thon erklärt: „Es gibt zwei Pflichttermine, die Basisschulung, in der das Angebot und die Zielgruppe vorgestellt werden und rechtliche Aspekte wie Grundlagen des Übergangs zur Jugendhilfe und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten behandelt werden. Zusätzlich gibt es eine Wahlpflichteinheit, bei der aus drei Schulungsangeboten eines ausgewählt werden kann, beispielsweise eine Zusatzschulung im Bereich psychologische Grundlagen oder Selbstfürsorge.“
Eine pädagogische oder juristische Ausbildung ist nicht erforderlich: „Ganz im Gegenteil – das Angebot lebt davon, dass die Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kommen“, betont Caro Thon. „Wir haben Mentor*innen, die aus dem Handwerk kommen, aber auch aus Behörden, der IT oder dem sozialen Bereich. Aktuell haben wir viele Personen mit akademischem Hintergrund, freuen uns daher besonders über Interessierte aus handwerklichen oder kreativen Berufen. Diese Vielfalt bietet ein breites Spektrum an Perspektiven und Möglichkeiten, um die jungen Menschen optimal zu unterstützen.“
Auch Menschen mit wenig Zeit können Mentor*innen werden: Eine feste Stundenanzahl gibt es nicht. Der zeitliche Einsatz und die Häufigkeit der Treffen richten sich flexibel nach den Bedürfnissen des jungen Menschen und den zeitlichen Möglichkeiten der Mentor*innen. Der Wert dieses Engagements zeigt sich in den positiven Auswirkungen für alle Beteiligten: „Das Careleaving-Mentoring-Projekt ist unheimlich wichtig und bereichernd für alle Beteiligten. Die Mentor*innen können Türen öffnen und jungen Menschen mit ihren Erfahrungen und Möglichkeiten ganz konkret helfen und damit etwas Positives bewirken. Die jungen Menschen sind dankbar, dass sie nicht allein dastehen. Im besten Fall entsteht eine Beziehung, die über viele Jahre oder gar Jahrzehnte bestehen bleibt.“
Appell für die bundesweite Umsetzung
Der Kinderschutzbund Frankfurt konnte seit Beginn des Projektes im Frühjahr 2024 über 70 junge Menschen mit seinen Angeboten (Beratung, Workshops, Mentoring) erreichen. Das ist ein großer Erfolg, doch bundesweit gibt es noch viel zu tun: „Niederschwellige Unterstützung für Careleaver gibt es noch viel zu wenig. Dabei verlassen jedes Jahr rund 21.000 Menschen zwischen 18 und 27 Jahren in Deutschland das Unterstützungssystem der Kinder- und Jugendhilfe“, erklärt Caro Thon. 21.000 junge Menschen, die von heute auf morgen ohne Rückhalt und Unterstützung dastehen.
Caro Thon plädiert deshalb dafür, derartige Projekte bundesweit umzusetzen. Starthilfe gibt es beim Kinderschutzbund Frankfurt: „Wenn ein Ortsverband des Kinderschutzbundes ein solches Projekt auch in seiner Region ins Leben rufen möchte, kann er uns sehr gern kontaktieren. Wir freuen uns über jedes Interesse und unterstützen, wo wir können.“
Junge Menschen haben ein Recht darauf, an der Gesellschaft teilzuhaben und von ihren Möglichkeiten zu profitieren. Laut Caro Thon kommt die Unterstützung, die wir ihnen in der Anlaufstelle die Base geben, letztlich der gesamten Gesellschaft zugute: „Denn aus diesen jungen Menschen werden Erwachsene, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder positiv in die Gesellschaft einbringen werden.“
Alina Jensen, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Kinderschutzbund Bundesverband

So erreichen Sie die Base
E-Mail: careleaving@kinderschutzbund-frankfurt.de
Telefon: 069 200 62 99 13
Instagram: diebase_ffm
Web: die-base-ffm.de

